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Technische Universität Darmstadt, alte Gebäude
Altes Hauptgebäude der TU Darmstadt in der Hochschulstraße (links) und Institutsgebäude nach dem Umbau 1904 mit dem Uhrenturm von Friedrich Pützer (rechts), Foto: Stadtarchiv Darmstadt

Auf dem Gelände der ehemaligen Hofmeierei und einem Teil des Herrngartens wurde Ende des 19. Jahrhunderts mit dem Bau der neuen Hochschulgebäude begonnen. Südlich der neu angelegten Hochschulstraße entstanden das von Heinrich Wagner entworfene Hauptgebäude und nördlich davon zwei Institutsgebäude nach Plänen von Erwin Marx. Das klassizistische Hauptgebäude besteht aus einem dreiflügligen Ziegelbau, der durch Seitenrisalite und einen durch eine hohe Säulenstellung betonten Mittelrisalit mit ornamentiertem Giebeldreieck gegliedert ist. Eine große Freitreppe führt zum Haupteingang. Zwischen den Fenstern an der Hauptfassade befinden sich Reliefs von Karl Scholl, auf denen bedeutende Persönlichkeiten der Hochschule zu sehen sind. Gleichzeitig mit dem Hauptgebäude entstanden auf der Nordseite der Hochschulstraße die Institutsbauten. Sie beherbergten die Institutsgebäude für Physik und Elektrotechnik auf der einen und für Chemie auf der anderen Seite. Ursprünglich waren sie freistehend und hatten einen mittigen Durchgang. Schon bei der Einweihung der neuen Hochschulbauten im Oktober 1895 waren die Räumlichkeiten aufgrund der ständig steigenden Studentenzahlen zu klein. Deshalb wurde das Hauptgebäude zwischen 1905 und 1908 von Georg Wickop zu einer geschlossenen Anlage erweitert, der neue Westflügel und das Maschinenhaus ergänzt. Die Institutsbauten auf der gegenüberliegenden Seite wurden 1904 durch einen Hörsaaltrakt mit Turmaufbau von Friedrich Pützer zusammengefasst. Der Turm, der nach seinem Architekten „Pützerturm“ genannt wird, war das Wahrzeichen der Hochschule und bildete das Pendant zum Eingangsportal des Hauptgebäudes. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Turmspitze zerstört. Die beiden Flügel der Institutsgebäude, deren Dächer im Krieg beschädigt wurden, erhielten beim Wiederaufbau ein drittes Geschoss, das sich durch Material und Farbe von dem ursprünglichen Bau absetzt. Auch das Hauptgebäude wurde im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt und der Wiederaufbau gleich nach dem Krieg in Angriff genommen. Nord- und Ostflügel wurden 1957 um ein Geschoss erhöht, und der zerstörte Westflügel durch einen Neubau ersetzt. Im Innern sind die Terrazzoböden und das Haupttreppenhaus erhalten.

In den 1930er Jahren dehnte sich die Hochschule auf den Ballonplatz und im Herrngarten aus. 1939/40 entstanden nach Entwürfen von Karl Lieser das Institut für Cellulosechemie am Ballonplatz und das Institut für anorganische und physikalische Chemie im nordöstlichen Teil des Herrngartens. Letzteres wurde nach dem früh verstorbenen Institusdirektor Eduard Zintl benannt. Gegen Ende des Kriegs war das Zintl-Institut nur unvollständig ausgebaut und konnte lediglich zum Teil benutzt werden. Die US-Truppen richteten in dem im Krieg kaum beschädigten Gebäude nach 1945 ihr Medical Center ein. Zwei Jahre später gaben die Amerikaner das Institutsgebäude wieder frei, der Ausbau konnte daraufhin fortgesetzt werden und der Fachbereich für anorganische und physikalische Chemie wieder einziehen. 1959/60 ergänzte die Universität den Institutsbau durch ein einstöckiges Nebengebäude für Kernchemie. Nach einer grundlegenden Sanierung in den Jahren 2000 bis 2003 wurde das ehemalige Zintl-Institut vom Fachbereich Informatik übernommen und in Robert-Piloty-Gebäude umbenannt. Das Foyer mit dem anschließenden Säulengang und die Unterrichtsräume im Hauptbau sind weitestgehend in ihrem ursprünglichen Zustand erhalten.

Lit.: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Kulturdenkmäler in Hessen. Stadt Darmstadt. Hrsg. vom Landesamt für Denkmalpflege Hessen in Zusammenarbeit mit dem Magistrat der Stadt Darmstadt – Denkmalschutzbehörde – Braunschweig, Wiesbaden 1994, S. 90f; Die Technische Universität Darmstadt. Eine Baugeschichte. Heft 11. Hrsg. von der Wissenschaftsstadt Darmstadt, Kulturamt Denkmalschutz, in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Darmstadt, Darmstadt 2007.