Stadtlexikon Darmstadt

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Maschinenhalle (TU Darmstadt)
Maschinenhalle in der Magdalenenstraße, historische Aufnahme, Denkmalarchiv Darmstadt

1901 beauftragte die Technische Hochschule DA die Architekturprofessoren Friedrich Pützer und Georg Wickop mit der Planung für die Erweiterungsbauten, nachdem die 1895 eingeweihten Neubauten an der Hochschulstraße für die in dieser Zeit stetig ansteigenden Studentenzahlen rasch zu klein waren. Schon 1896 wurden für die Erweiterung des Hauptgebäudes Grundstücke an der Magdalenenstraße gekauft. Nach Jahren heftiger Auseinandersetzung um die Finanzierung wurden 1901 endlich die notwendigen Mittel für die Neubauten bewilligt. Wickop, auch Baudirektor der Hochschule, war für den Westflügel des Hauptgebäudes und die neue „Zentrale für Licht, Kraft und Wärme“ verantwortlich, Ersatz für das alte Kraftwerk, das im Zuge der Erweiterungen des Hauptgebäudes verlegt werden musste. Pützer war für die Bauten nördlich der Hochschulstraße zuständig. Obgleich die Hochschulprofessoren dem Jugendstil und seinen Vertretern, den Künstlern der Künstlerkolonie auf der Mathildenhöhe, kritisch distanziert gegenüberstanden, sind ihre Werke im Gegensatz zu den Bauten ihrer Vorgänger Erwin Marx und Heinrich Wagner (Technische Universität, alte Gebäude) mit Elementen des Jugendstils durchsetzt. Dies wird ganz besonders deutlich an der 1904 fertiggestellten Maschinenhalle. Das lang gestreckte Maschinenhaus in der Magdalenenstraße mit seiner eleganten, wellenförmigen Dachlandschaft begrenzt das Hochschulareal nach Osten hin und lockert die Baugruppe auf. Insbesondere das geschweifte Giebelfeld an der Nordseite des Gebäudes, zum Kantplatz hin, ist mit üppiger Dekoration geschmückt. Das dort befindliche Relief „Helios im Strahlenkranz“ ist ein Werk des Bildhauers Augusto Varnesi, von 1895 bis 1933 Professor für dekorative Kunst an der TH Darmstadt. Auch wenn hier viele Elemente dem Jugendstil entlehnt sind, kann man weder bei Wickops noch bei Pützers Bauten von ausgesprochenen Jugendstilwerken sprechen. Sie tragen die eigene architektonische Handschrift dieser TH-Professoren.

Seit 2001 deckt das TU-eigene Blockheizkraftwerk auf der Lichtwiese den gesamten Wärme- und Strombedarf der Universität ab. Damit verlor die denkmalgeschützte Maschinenhalle ihre ursprüngliche Nutzung als Kraftwerk. Unter Berücksichtigung der denkmalrelevanten Vorgaben und der Einbeziehung der charakteristischen Elemente des ehemaligen Kraftwerkbaus mit seiner typischen Baudekoration an den Fassaden wurde das Maschinenhaus zu einem Hörsaal- und Seminargebäude umgebaut (2011-2013). Ein Drittel des Gebäudes wird jedoch weiterhin für die Verteilerinfrastruktur für Strom, Wärme und Kommunikation des Campus Stadtmitte genutzt.

Lit.: Die Großherzogliche Technische Hochschule zu Darmstadt 1896-1908. Festschrift zur Feier der Eröffnung der Erweiterungsbauten am 23. Juli 1908, Darmstadt 1908; Guther, Max: Die Architekturprofessoren der THD von 1841 bis 1945 und ihre Planungen für Hochschule und Stadt Darmstadt. In: Technische Hochschule Darmstadt. Jahrbuch 1980, hrsg. vom Präsidenten der THD, S. 107-142; Denkmalschutz in Darmstadt, Heft 11, Die Technische Universität Darmstadt. Eine Baugeschichte, Wissenschaftsstadt Darmstadt, Kulturamt – Denkmalschutz in Zusammenarbeit mit der TU Darmstadt, Darmstadt 2007, S. 26-29; Zehn Jahre Bauautonomie Technische Universität Darmstadt, Technische Universität Darmstadt (Hrsg.), Darmstadt 2015, S. 26-29.