Stadtlexikon Darmstadt

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Ludwig Prinz von Hessen und bei Rhein

* 20.11.1908 Darmstadt
† 30.05.1968 Frankfurt/Main
Der zweite Sohn des letzten Großherzogs Ernst Ludwig war dem Vater in den künstlerischen Neigungen ähnlicher als der zwei Jahre ältere Erbgroßherzog Georg Donatus. Er studierte an der Darmstädter TH, in Lausanne und München Kunstgeschichte und war dann Kulturattaché an der deutschen Botschaft in London. Seine künftige Frau Margaret Geddes hat er allerdings nicht dort, sondern im gemeinsamen Freundeskreis bei Familie Hirth-Preetorius im oberbayerischen Grainau kennen gelernt. Die Flugzeugkatastrophe von Ostende am Tag vor der Hochzeit änderte den Lebensplan und führte zur Rückkehr nach DA. Kaum zwei Jahre später war Krieg, in dem Ludwig als Leutnant in verschiedenen Stäben Dienst tat, bis er mit dem „Prinzen-Erlass“ von 1943 nach Hause geschickt wurde. Nach Kriegsende sah er seine Aufgabe in Pflege und Erneuerung des kulturellen Erbes. Zum Wiederaufbau von Schloss- und Jagdmuseum (Museum Jagdschloss Kranichstein) sowie der Porzellansammlung kam die an die Ideen der Künstlerkolonie anknüpfende Mitwirkung bei der Gründung des Instituts für Neue Technische Form mit dem Rat für Formgebung, auch des später nach Berlin verlegten Bauhaus-Archivs. Ebenso wichtig wurde die „Neue Musik“, in den Kranichsteiner „Internationalen Ferienkursen“ wie in der Zusammenarbeit mit Benjamin Britten und Hans-Werner Henze, für deren z. T. in Wolfsgarten entstandene Kompositionen Ludwig Texte ins Deutsche übertrug. Als „Letzter aus dem Hause der Landgrafen von Hessen-Darmstadt“ starb er fast genau vier Jahrhunderte nach der für die Geschichte des Landes prägenden Teilung Hessens unter den Söhnen Landgraf Philipps. Prinz Ludwigs Grabstätte befindet sich im Park auf der Rosenhöhe.

Lit.: Landgraf, Ludwig: Erinnerungen eines Darmstädters, Darmstadt 1968; Haus Hessen. Biografisches Lexikon, hrsg. von Eckhart G. Franz (Arbeiten der Hessischen Historischen Kommission, NF 34), Darmstadt 2012, HD 100, S. 387-389.