Stadtlexikon Darmstadt

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Frauenklinik
Neubau der Frauenklinik auf dem Gelände des Klinikums Darmstadt, 1954, Foto: Stadtarchiv Darmstadt

Freyde-Gertrudis von Kunowski, Gattin eines Regimentskommandeurs, gründete bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs einen Kinderhort in der Hermannstraße und später, im Andenken an ihren im September 1914 gefallenen Sohn, im benachbarten Gebäude (Hermannstraße 6) ein Lazarett mit Genesungsheim für kranke und verwundete Offiziere, das in Anwesenheit von Großherzog Ernst Ludwig 1918 eröffnet wurde. Das später zu einem allgemeinen Krankenhaus mit 30 Betten umgewandelte Lazarett wurde unter dem Namen „Herz-Jesu-Hospital“ von Angehörigen der „Kongregation der Franziskaner-Brüder vom Heiligen Kreuz“, einer Laienbruderschaft, geleitet. 1927 wurde die Bettenkapazität durch eine zusätzliche Krankenbaracke auf 70 erhöht, 1933/34 das Hauptgebäude durch An- und Umbau des Nebengebäudes auf 110 Betten erweitert. Hinzu kamen zwei Operationssäle. In einem separat errichteten Wirtschaftsgebäude wohnten die 21 Franziskanerbrüder, die die Krankenpflege übernahmen. Das Herz-Jesu-Hospital nahm nur Männer auf und war zu großen Teilen eine Belegklinik für Darmstädter Ärzte. 1937 zwangen die Nationalsozialisten die Franziskaner zum Verkauf ihres Hauses. Einige Brüder gründeten in der Herrngartenstraße eine neue Niederlassung und versahen ihren Krankendienst im Marienhospital. 1948 verließen die Brüder DA endgültig. Das Herz-Jesu-Hospital erwarb die Stadt DA, um es erneut umzubauen und hier im Januar 1938 die erste städtische „Frauenklinik“ als Abteilung des Stadtkrankenhauses (Klinikum DA) einzurichten. Im Zweiten Weltkrieg wurden die Gebäude zum Teil zerstört, der Rest war für ein Krankenhaus nicht mehr nutzbar. Während die Frauenklinik zunächst in der Dieburger Straße 241 im heutigen Georg-Christoph-Lichtenberg-Haus untergebracht war und erst 1954 einen Neubau (Meisterbauten, Otto Bartning) auf dem Gelände des Stadtkrankenhauses an der Grafenstraße erhielt, zog in das notdürftig wiederhergestellte Gebäude in der Hermannstraße die Akademie für Tonkunst ein. Nach deren Auszug 1987 wurden alle Gebäudereste des ehemaligen Hospitals abgerissen.

Lit.: Möbus, Walter: Bessunger Geschichten, Darmstadt 1993, S. 130-134.