Stadtlexikon Darmstadt

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Flugplätze
Flughalle mit Flugplatz an der Lichtwiese 08.04.1925, im Hintergrund Alter Friedhof und Paulusviertel, Foto: Stadtarchiv Darmstadt

DA hatte zwei Flugplätze: Der erste war der „Griesheimer Sand“, ein Sanddünengebiet (Gemarkung Griesheim, Eingemeindung 1937 nach DA), das ab 1864 für militärische Übungen und ab 1874 als offizieller Truppenübungs- und Artillerieschießplatz genutzt wurde. Flugpionier August Euler plante Ende 1908 dort erste Gleitflüge und pachtete zum 30.01.1909 einen Teil als Flugplatz- und Fabrikgelände. Im gleichen Jahr übten bereits Luftschiffer mit Fesselballons auf dem Militärgelände. Ab 1912 entstanden Flugzeughallen, -werkstätten und Kasernen der Fliegerstation (Preußische Armee, Fea 3 und 9). Reger Flugbetrieb und die Prinz-Heinrich-Flüge gewannen große Bedeutung. Berühmte Flieger wie Ernst Udet und Oswald Boelcke sowie Luftschiffer waren im Ersten Weltkrieg zeitweise in DA. Vom 14.12.1918 bis Frühjahr 1930 war das Gelände von französischen Truppen besetzt. Nach deren Abzug wurde der Flugplatz neu hergerichtet, die offizielle Bezeichnung war „Flughafen Darmstadt“, Betreiber war die Flughafen Aktiengesellschaft DA (vormals Hefag). Am 11.08.1930 landete hier das Luftschiff „Graf Zeppelin“ (Zeppelin). Eine Bewerbung DAs und Griesheims als Standort des geplanten Weltluftschiffhafens wurde zugunsten Berlins entschieden. Auf dem Flugplatz flogen und forschten ab 1931 die Rhön-Rossitten-Gesellschaft Wasserkuppe (RRG), ab 1933 das Deutsche Forschungs-Institut für Segelflug (DFS, Segelflug), die Akaflieg, Flugsportvereine (ab 1937 NSFK), die TH Darmstadt in ihrem Windkanal und die Ingenieurschule für Luftfahrttechnik. Ab 1936 richtete die Luftwaffe Kurse ein (Bild- und Pilotenschule).

Im Zweiten Weltkrieg wurde der Flugplatz als Fliegerhorst genutzt. Die DFS wurde bis auf zwei Abteilungen nach Ainring ausgelagert. 1942 kam die Firma Jacobs-Schweyer (Luftfahrtindustrie) hinzu. Ein Bombenangriff am 24.12.1944 richtete größere Schäden an. Ab Mai 1945 nutzte die US-Army mit Hubschraubern das Flugfeld und gestattete ab 1970 den Hessen-Fliegern als Gast und später durch Mitbenutzervertrag den Anflug. Der „Griesheimer“ heißt seit 11.07.1980 „August-Euler-Flugplatz“. Nach seiner Schließung bei Abzug der US-Army am 31.07.1992 bemühten sich die Hessen-Flieger und die Gesellschaft der Freunde des August-Euler-Flugplatzes e. V. bis 1999 erfolglos um einen zivilen Flugbetrieb. 1996 wurden ca. 70 Hektar unter Naturschutz gestellt. Seit 2005  ist die TU Darmstadt Eigentümer des Flugplatzes; ihre Motorsegelflugzeuge steigen mit Sondergenehmigung zu wissenschaftlichen Messungen auf und verschiedene Fachbereiche nutzen das Gelände zu Forschungszwecken.

Der zweite Flugplatz war der Verkehrslandeplatz DA-Lichtwiese. Die Hessen-Flieger erhielten von der Stadt die Lichtwiese hinter dem Alten Friedhof an der Nieder-Ramstädter-Straße (Friedhöfe) zur Anlegung eines neuen Flugplatzes, die Eröffnung erfolgte am 13.07.1924. Bald darauf wurde die Hessische Flugbetriebs AG Darmstadt (Hefag) zum Ausbau des Flugplatzes und Anschluss DAs an das Luftverkehrsnetz gegründet. Eine Flughalle mit Turm und Reparaturwerkstatt entstand, die feierliche Weihe als offizieller Verkehrslandeplatz erfolgte am 01.06.1925 mit Emil Schwarz als Flughafendirektor. Ab 1926 nahm die Arbeitsgruppe des Forschungsinstituts für Segelflug der Rhön-Rossitten-Gesellschaft ihre Arbeit auf. Johannes Nehring flog in deren Auftrag am 30.04.1928 erstmals im thermischen Aufwind. Am 12.04.1926 wurde die erste regelmäßige Fluglinie der Lufthansa DA-München eröffnet, weitere Fluglinien auch ins Ausland folgten. Tausende besuchten Flugtage und Wettbewerbe der Vereine (Flugsport). Experimente, Flugversuche, meteorologische Forschungen, Flugunterricht und Filmaufnahmen (Zeppelin) erlangten Bedeutung. Auch eine Wetterflugstelle befand sich ab dem 01.04.1929 auf der Lichtwiese (ab Ende 1933 auf dem „Griesheimer Sand“). Der Luftverkehr nahm zu, und durch leistungsstärkere Flugzeuge wurden Zwischenlandungen in DA überflüssig. Der Flugbetrieb wurde aus Sicherheitsgründen Ende Mai 1934 auf den „Griesheimer Sand“ zurückverlegt. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde die Lichtwiese als Ersatzfeldflugplatz neu hergerichtet, kam aber nicht zum Einsatz. Nur eine Flak-Stellung wehrte feindliche Flugzeuge ab.
Darmstadts Modellflieger nutzten zwischen 1950 und 1962 das Gelände für Modellflugveranstaltungen und -wettbewerbe. Nach in den 1950er Jahren begonnener Randbebauung und Errichtung des TH-Campus ab 1967 erinnert lediglich der Nehringweg an die Pionierzeit des Verkehrslandeplatzes.

Lit.: Eckstein, Ursula: August-Euler-Flugplatz Darmstadt, Darmstadt 2008 (Darmstädter Schriften 94); Die Lichtwiese – Verkehrsflughafen Darmstadt 1924-1945. In: Anfänge der Luftfahrt im Raum Darmstadt und Frankfurt, Blätter zur Geschichte der deutschen Luft- und Raumfahrt Band XIV, S. 73-174, Deutsche Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt – Lilienthal-Oberth e. V. (DGLR), Bonn 2002; Fiebig, Burkhard/ Holtmann Annegret (Hrsg.): 100 Jahre Postflug. Ein Flug verändert die Welt. Der erste amtliche Postflug 1912, hrsg. im Auftrag des Fördervereins August-Euler-Luftfahrtmuseum e.V., Darmstadt 2012; Eckstein, Ursula: Verkehrslandeplatz Darmstadt - Lichtwiese, Darmstadt 2014 (Darmstädter Schriften 103).