Stadtlexikon Darmstadt

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Zeppelin
Landung des Zeppelins „Viktoria Luise“ auf dem Darmstädter Exerzierplatz, 28.09.1913, Foto: Stadtarchiv Darmstadt

Erbprinz (später Großherzog) Ludewig I. ließ aus Paris Ballone von 1 bis 10 Schuh Höhe kommen, experimentierte damit bei Hof und wäre fast mit Blanchard 1785 von Frankfurt/Main im Ballon aufgestiegen. 1907 landete ein Gasballon in der Nähe Eberstadts. Der Mittelrheinische Verein für Luftschiffahrt in Coblenz, DA, Mainz, Wiesbaden und Biebrich (gegr. 11.05.1905) findet sich mit dem Ortsverein DA im Adressbuch von 1907 und 1908. Dazu kam 1909 der Hessische Luftflottenverein. Am 04.08.1908 sahen die Darmstädter in der Ferne den lenkbaren 136 Meter langen Zeppelin IV. Am 31.07.1909 passierten in 100 Meter Höhe das Luftschiff LZ V sowie am 15.09.1909 LZ III und Parseval III die Stadt unter dem Jubel vieler Tausender. Parseval III landete am 19.10.1909 auf dem Weiterstädter Exerzierplatz mit dem Großherzoglichen Paar, Prinz und Prinzessin Heinrich von Preußen und Mitgliedern der Hofgesellschaft. Eine Fahrt über den Odenwald mit der Luftverkehrsgesellschaft DELAG kostete 200 Mark/Person.

In den folgenden Jahren kamen öfter Luftschiffe, u. a. ein Starrluftschiff Schütte-Lanz. Die Postflüge von LZ 10 „Schwaben“ 1912 (Flugpostwochen) erfuhren besondere Aufmerksamkeit, desgleichen die Landung des LZ 11 „Viktoria Luise“ auf seiner Hessenrundfahrt am 28.09.1913 auf dem Darmstädter Exerzierplatz. Der Luftschiffhafen DA, nordwestlich bei Weiterstadt gelegen, war im Ersten Weltkrieg wichtiger Stützpunkt für Luftschiffe zur Verwendung als Aufklärer und Bomber über England. Der Luftschifftrupp 20 (1915-1917) wurde zum Hafenbau eingesetzt. In der ca. November 1915 fertig gestellten Halle wurde bis Juni 1916 „SL 5“ gebaut. Ihren Standort in DA hatten zeitweilig: LZ 44 (Heeresnr. LZ 74), LZ 57 (LZ 87), LZ 67 (LZ 97); Demontage des LZ 77 (LZ 107) ab Juli 1917. Danach kam die Luftschiffer-Ersatz-Abteilung 2. Die Halle wurde wegen des Versailler Vertrags meistbietend verkauft und bis Mai 1921 demontiert.

Am 25.09.1924 war LZ 126 (Z.R.III „Los Angeles“, 200 Meter lang) vor seiner Amerikafahrt über DA zu sehen. 1926 folgten viele Darmstädter Persönlichkeiten dem Aufruf zur Zeppelin-Eckener-Spende. Bemühungen ab 1929 um den Standort als Weltluftschiffhafen konnte Minister Wilhelm Leuschner 1932 durch Vorverträge nicht verwirklichen. Zur Landung des Luftschiffs „Graf Zeppelin“ auf dem Griesheimer Sand (Flugplätze) am 04.08.1930 gab er der Hoffnung Ausdruck „Möge die Stunde der ersten Landung auf dem Griesheimer Platz historische Bedeutung erlangen“. Am 07.08.1933 hieß es „Darmstadt wird berühmt!“: Dreharbeiten zum Film „Ein Unsichtbarer geht durch die Stadt“ mit dem Pralluftschiff D-PN 30 mit der Werbeaufschrift „Odol Zahnpasta – Lingner“ fanden auf der Lichtwiese statt. Freudig begrüßt wurden im März 1936 LZ 129 „Hindenburg“ und LZ 127 „Graf Zeppelin“ über DA.

Lit.: Müller, Adolf: Darmstadt die Stadt der Flieger. In: Darmstädter Wochenschau, Nr. 18, Sept. 1938; Schneevogt, Jürgen: Deutsche Heeresluftschiffahrt 1884-1918, Heft 5, Buckow 2003; Eckstein, Ursula: August-Euler-Flugplatz Darmstadt, Darmstadt 2008 (Darmstädter Schriften 94); Härtig, Hanspeter: Der Beginn der Zeppelin-Luftpost in Deutschland mit LZ 10 „Schwaben“. In: Fiebig, Burkhard/ Holtmann Annegret (Hrsg.): 100 Jahre Postflug. Ein Flug verändert die Welt. Der erste amtliche Postflug 1912, hrsg. im Auftrag des Fördervereins August-Euler-Luftfahrtmuseum e.V., Darmstadt 2012, S. 18f.