Stadtlexikon Darmstadt

Logo Darmstadt
Franz, Eckhart G.
Foto: Nasser Amini, Hess. Staatsarchiv Darmstadt

Historiker, Archivdirektor
* 24.12.1931 Marburg
16.03.2015 Darmstadt
Eckhart G. Franz, Sohn des Historikers Günther Franz (1902-1992), studierte nach dem Abitur Geschichte, Kunstgeschichte und Amerikanistik in Heidelberg, Freiburg und Köln und ging 1950 mit einem Reeducation-Stipendium in die USA, wo er in Portland, Oregon sein Studium fortsetzte. 1956 promovierte er in Köln über „Das Amerikabild der deutschen Revolution von 1848/49“ und entschied sich für die Archivlaufbahn: Nach dem Referendariat (1957-59) und anschließender Tätigkeit im Staatsarchiv Marburg übernahm Eckhart G. Franz 1971 die Leitung des Hessischen Staatsarchivs in DA. Zudem betreute er das Großherzoglich Hessische Haus- und Familienarchiv, das im Staatsarchiv deponiert ist. Durch sein jahrelanges und erfolgreiches Bemühen, die Ruine des alten Landestheaters für einen Archivneubau zu sichern, konnte 1994 das „Haus der Geschichte“ mit dem Hessischen Staatsarchiv DA, dem Stadtarchiv DA, dem Hessischen Wirtschaftsarchiv und dem Universitätsachiv der TU Darmstadt sowie weiterer Institutionen den wieder entstandenen historischen Theaterbau am Karolinenplatz seine Arbeit aufnehmen.

Schon 1962 begann Eckhart G. Franz mit einer Dozententätigkeit an der Marburger Archivschule, die er bis zum Frühjahr 1993 ausübte. 1972 bis 1992 hielt er Vorträge am „Stage Technique International des Archives“ in Paris. Aus dieser Lehrtätigkeit erwuchs die 1974 erschienene „Einführung in die Archivkunde“, die 2015 in 9. Auflage erschien. Auch auf internationaler Ebene engagierte sich Eckhart G. Franz für die Entwicklung des Archivwesens, war 1971 bis 1992 Mitglied des Internationalen Archivrats, Sekretär der „Table Ronde des Archives“ und bei der UNESCO als Experte für Archivausbildung tätig. In deren Auftrag baute er von 1967 bis 1969 die Deutsch-Ostafrika-Abteilung des Nationalarchivs von Tansania in Daressalam auf und ebenso eine arabische Archivschule in Beirut (1974). 1973 bis 1989 war Franz zudem im Vorstand des Berufsverbands der Archivare in Deutschland aktiv, 1977 bis 1985 dessen Vorsitzender.

In seiner Darmstädter Zeit übernahm er zudem eine Honorarprofessur an der Technischen Hochschule Darmstadt, war 1973 bis 2008 Vorsitzender, danach Ehrenvorsitzender der Hessischen Historischen Kommission Darmstadt und 1973 bis 2002 Vorsitzender des Historischen Vereins für Hessen. Die Vereinszeitschrift, das „Archiv für Hessische Geschichte und Altertumskunde“, stellte er auf eine neue Grundlage und sicherte damit dessen Zukunft. Daneben begründete er die Publikationsreihe der „Darmstädter Archivschriften“.

Eckhart G. Franz schuf ein umfangreiches Werk an Publikationen, vor allem auf dem Gebiet der hessischen Landesgeschichte. Seine Hauptarbeitsgebiete waren der Vormärz und die Revolution 1848/49, die Entstehung der Arbeiterbewegung, das Schicksal der hessischen Juden, die Geschichte Hessens im „Dritten Reich“ und nicht zuletzt die Geschichte der hessischen Fürstenhäuser. U. a. zeichnete er verantwortlich für die Darmstädter Stadtgeschichte (1980), die Geschichte der Darmstädter Juden (1984), die Chronik Hessens (1991), das Gedenkbuch für Prinzessin Margaret von Hessen (1997), den Handbuchbeitrag „Großherzogtum und Volksstaat Hessen 1806-1945“ (2003), die Edition der Tagebücher der Indienreise des letzten Großherzogs Ernst Ludwig (2003) und die Monographie „Das Haus Hessen. Eine europäische Familie“ (2005). Sein letztes Großprojekt, das biographische Lexikon des Hauses Hessen, konnte nach beinahe zehnjähriger Bearbeitungszeit 2012 endlich erscheinen.

1992 erhielt Eckhart G. Franz die Johann-Heinrich-Merck-Ehrung der Stadt Darmstadt, 1996 das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland. Noch bis kurz vor seinem Tod überarbeitete er seine gut 120 Artikel für die Online-Ausgabe des Stadtlexikons Darmstadt, dessen Freischaltung im Januar 2016 er nicht mehr erleben durfte. Seine Grabstätte ist auf dem Alten Friedhof in Darmstadt. Im Januar 2017 wurde der Vortragssaal im „Haus der Geschichte“ nach ihm benannt.

Lit.: „Hessen in der Geschichte“, Festschrift für Eckhart G. Franz zum 65. Geburtstag, Hessische Historische Kommission, Darmstadt 1996; „Aus Hessens Geschichte“, Aufsätze von Eckhart G. Franz. Festschrift zum 75. Geburtstag, Historischer Verein für Hessen, Darmstadt 2007; Peter Engels: Nachruf Eckhart G. Franz. In: Archiv für Hessische Geschichte und Altertumskunde NF 73, 2015, S. VII bis XII.