Stadtlexikon Darmstadt

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Eigenbrodt, Karl

Arzt, Hygieniker
* 07.02.1826 Darmstadt
† 25.05.1900 Darmstadt
Karl Eigenbrodt, Sohn des Geheimen Staatsrats Karl Christian Eigenbrodt, studierte nach der Abiturprüfung am Darmstädter Gymnasium seit 1844 in Gießen, Heidelberg und Würzburg Medizin und wurde im Januar 1849 mit einer experimentellen Arbeit über die „Leitungsgesetze des Rückenmarks“ in Gießen promoviert. Anschließend war er bis 1859 in DA als Militärarzt tätig, daneben als städtischer Armenarzt. 1854 eröffnete er mit anderen jungen Ärzten eine Klinik in der Mauerstraße, das Mauerspitälchen (Achteckiges Haus). Aufgrund seiner sich ausweitenden privatärztlichen Tätigkeit nahm Eigenbrodt 1859 seinen Abschied vom Militär, um fortan als praktischer Arzt zu arbeiten. Seit 1875 war er Leibarzt Großherzog Ludwigs IV. und seiner Familie, ein Amt, das er auch bei Großherzog Ernst Ludwig behielt. Neben seiner ärztlichen Tätigkeit unterstützte Eigenbrodt Großherzogin Alice als Mitgründer und langjähriger Geschäftsführer des „Alice-Frauenvereins für die Krankenpflege im Großherzogtum Hessen“, förderte den Bau des Alice-Hospitals und gehörte zum Gründungskomitee der „Idiotenanstalt“ Alicestift. Daneben erlangte Eigenbrodt große Bedeutung durch seine Erforschung der Zusammenhänge zwischen Hygienemaßnahmen und dem Ausbruch infektiöser Krankheiten und wurde einer der Vorreiter einer öffentlichen Gesundheitspflege. Er veröffentlichte Schriften zu den Auswirkungen der Boden- und Wasserverunreinigungen. Als Mitglied der Darmstädter Stadtverordnetenversammlung (1868-1880) setzte er sich v. a. für die Errichtung einer zentralen Wasserversorgung mit Schwemmkanalisation ein. Als Landtagsabgeordneter (1862-1865) und als Vorsitzender des Vereins Hessischer Ärzte (1873-1884) kämpfte er für die Unabhängigkeit der Ärzte und ihrer Organisationen von der staatlichen Medizinalorganisation. Der Verein Hessischer Ärzte ernannte ihn dafür im Jahr 1899 zu seinem Ehrenmitglied.

Lit.: Hessische Biographien. In Verbindung mit Karl Esselborn und Georg Lehnert hrsg. von Hermann Haupt, Bd. 2, S. 211-217.