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Alicestift
Foto: Stadtarchiv Darmstadt

Das Alicestift war die erste Einrichtung für geistig behinderte Kinder und Jugendliche in DA. 1869 wurde die von Großherzogin Alice und dem Alice-Frauenverein initiierte Einrichtung als „Bessunger Idiotenanstalt“ an der Nieder-Ramstädter Straße eröffnet. Die Insassen stammten aus dem gesamten Großherzogtum Hessen. Später ging die „Großherzogliche Anstalt für Schwache und Blödsinnige Alicestift“ in staatliche Trägerschaft über. Es gab eine enge Zusammenarbeit mit dem Landeshospital in Hofheim (heute Philippshospital in Riedstadt-Goddelau). Ab 1911 wurden „Idiotische (nicht lernfähige) Kranke“ nach Goddelau gebracht, während im Alicestift bedingt bildungsfähige Kinder lebten, die in einer anstaltseigenen Landes-Hilfsschule und danach in einer Fortbildungsschule unterrichtet wurden. Bis zu 140 Kinder lebten hier zeitweise. 1933 wurde das Alicestift durch die Nationalsozialisten aufgelöst, die Insassen in die Landes-Heil- und Pflegeanstalten in Heppenheim und Goddelau überwiesen. Der NS-Studentenbund nutzte das Gebäude als Kameradschaftshaus mit Studentenwohnungen. Im Oktober 1939 wurde es von der Fliegerhorst-Kommandantur Mannheim-Sandhofen für Zwecke der Luftwaffe beschlagnahmt, aber bereits seit 1941 vom Darmstädter Polizeipräsidenten genutzt. Auch ab 1946 diente das ehemalige Alicestift wieder als Polizeipräsidium, bis die Polizei 1993 ihren Neubau an der Klappacher Straße beziehen konnte. Nach zwischenzeitlicher Besetzung durch eine Wohnungsinitiative und politischen Auseinandersetzungen um die zukünftige Nutzung wurden die denkmalgeschützten Gebäude vom Bauverein saniert und umgebaut und seit Juli 1997 als Studentenwohnheim genutzt.