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Thesing, Paul
Paul Thesing, Selbstbildnis 1947, Privatbesitz

Maler, Zeichner, Karikaturist, Illustrator
* 12.04.1882 Anholt/Westfalen
† 06.12.1954 Darmstadt
Paul Thesing studierte von 1902 bis 1905 Chemie in DA und Zürich, wo er ab 1907 im Arbeiterblatt „Der Neue Postillon“ erste sozialkritische Karikaturen veröffentlichte. Von 1909 bis 1914 war er einer der Hauptzeichner für das satirische Wochenblatt „Nebelspalter“. Zum Studium der Malerei ging er 1909 nach Paris, gehörte zum deutschen Künstlerkreis des Café du Dôme und gestaltete 1909 und 1912 zwei Nummern der Zeitschrift „Assiette au Beurre“. Von 1914 bis 1918 lebte Thesing in Spanien; hier entstanden Landschaften, Stillleben und Porträts sowie politische Karikaturen für spanische Tageszeitungen. 1920 kehrte er nach DA zurück und trat 1921 der Darmstädter Sezession bei. Thesing, der dem Künstler- und Literatenkreis um die Dachstube angehörte und 1922 den hessischen Staatspräsidenten Carl Ulrich porträtierte, erhielt 1924 den Georg-Büchner-Preis. Von 1924 bis 1932 war er politischer Zeichner für den
Hessischen Volksfreund und schuf Bühnenbilder für das Landestheater DA („Fidelio“ 1925, „Der Tod des Empedokles“ von Friedrich Hölderlin 1926). Die erste umfassende Einzelausstellung wurde 1926 in der Kunsthalle DA gezeigt. 1929 ging Thesing erneut nach Paris und Collioure. Von 1931 bis 1936 lebte er auf Ibiza, von 1936 bis 1939 auf Ischia und war 1940 bis 1943 in Berlin als künstlerischer Berater der TOBIS für die Filme „Die Entlassung“ (1942), „Das Bad auf der Tenne“ (1943) und „Philharmoniker“ (1944) tätig.

Nach 1945 wirkte Thesing am kulturellen Wiederaufbau DAs mit, war 1945 Mitgründer und erster Präsident der Neuen Darmstädter Sezession. Mit Gründung der „Lehrwerkstätten der bildenden Kunst. Künstlerkolonie Darmstadt“ (Werkkunstschule) am 01.02.1947 wurde Thesing deren künstlerischer Leiter und Direktor; 1949 schied er aus dem Lehrbetrieb aus und arbeitete erneut als politischer Zeichner. Basierend auf der Kunst Cézannes entwickelte Thesing in seiner Malerei einen expressiven Stil französischer Prägung, in dem das Gegenständliche bewahrt und durch Farbe überhöht wird. Besondere Beachtung verdient sein eigenständiger Kolorismus, in dem auch Traditionen der spanischen Malerei fortleben. In seinen politischen Karikaturen kommentierte Thesing mit unverkennbarer Handschrift, mit satirischer Schärfe und sozialistischem Tenor das deutsche Zeitgeschehen von der wilhelminischen Epoche über die Weimarer Republik und die Diktatur bis hin zur Demokratie.

Lit.: Thesing, Susanne: Paul Thesing - Maler und politischer Zeichner. Eine Künstlervita zwischen Kaiserreich und Demokratie, Institut für moderne Kunst Nürnberg (Hrsg.), Nürnberg 2010; www.paul-thesing.de.