Stadtlexikon Darmstadt

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Staudinger, Franz
Foto: Stadtarchiv Darmstadt

Lehrer, Genossenschaftler
* 15.02.1849 Wallerstädten
18.11.1921 Darmstadt
Der Sohn eines Pfarrers verbrachte seine Kindheit und Jugend in Wallerstädten und Wersau im Odenwald. Nach dem Besuch des Darmstädter Gymnasiums (1864-67) studierte Franz Staudinger auf Wunsch des Vaters in Gießen Theologie und promovierte 1871. Er setzte 1872 sein Studium in Berlin und Marburg fort, wandte sich hier jedoch philosophischen Fragen zu. Den eigentlich geplanten Beruf des Pfarrers gab er auf. 1872 unterrichtete er an einer Privatschule in Westhofen, studierte von 1873 bis 1875 noch einmal Neuere Philologie, um sich für das Lehramt zu qualifizieren, und trat 1876 eine Lehrerstelle am Gymnasium in Worms an. 1899 kehrte Staudinger als Oberlehrer an seine alte Schule, das Ludwig-Georgs-Gymnasium in DA, zurück, wo er bis zu seiner Pensionierung 1906 unterrichtete.

Neben dem Schuldienst entfaltete er eine umfangreiche Forschungs- und Publikationstätigkeit, zunächst auf dem Gebiet der Philosophie, von der u. a. Arbeiten über „Kants transzendentalen Idealismus“ (Berlin 1884) und „Das Sittengesetz. Untersuchungen über die allgemeinen Grundlagen der Freiheit und Sittlichkeit“ (Berlin 1887, 2. Aufl.1897) zeugen. Von der reinen Philosophie wandte er sich bald ethischen Fragestellungen und ihren Auswirkungen auf Politik und Wirtschaft zu, befasste sich vor allem mit Fragen der Bodenreform und des Konsumgenossenschaftswesens. In seinen Werken „Ethik und Politik“ (1899) und „Wirtschaftliche Grundlagen der Moral“ (DA 1905) verfasste der überzeugte Sozialist (Mitglied der SPD) im Grunde Apologien des Sozialismus und der genossenschaftlichen Wirtschaftsform. Seine Erkenntnisse weitete er aus zu einer Theorie des Konsumgenossenschaftswesens, die er in seinem vielleicht bedeutendsten Werk „Die Konsumgenossenschaft“ (Leipzig 1908, 2. Aufl. 1919) veröffentlichte. Staudinger wurde damit zu einem Vordenker des deutschen Genossenschaftswesens (Hessischer Volksfreund). Seit der Gründung des Zentralverbands deutscher Konsumvereine 1903 war er im Vorstand tätig und verfasste Lehrschriften für die von diesem durchgeführten konsumgenossenschaftlichen Fortbildungskurse. Staudinger war Gründungsmitglied des Darmstädter Bezirkskonsumvereins und von 1919 bis 1921 Mitglied der Stadtverordnetenversammlung. Eine Sammlung von 250 seiner Schriften befindet sich im Stadtarchiv DA. 1965 wurde in der Waldkolonie die Staudingerstraße nach ihm benannt.