Stadtlexikon Darmstadt

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Gunschmann, Carl
Foto: Pit Ludwig, Stadtarchiv Darmstadt

Maler
* 18.12.1895 Darmstadt
† 26.09.1984 Darmstadt
Nach dem Besuch der Malschule von Adolf Beyer ging Carl Gunschmann 1912 nach München. Dort war ihm die Schwabinger Bohème wichtiger als das reguläre Studium der Malerei. Zwei Jahre später vermittelte ihm der Generaldirektor der Frankfurter Museen, Georg Swarzenski, ein Stipendium für einen Paris-Aufenthalt. Das Erlebnis der französischen Malerei wirkte sich stark auf die ganz auf Peinture angelegte Malerei Gunschmanns aus. Kurz nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs kehrte er nach DA zurück. Im Dachgeschoss eines Hauses in der Rheinstraße richtete er sich sein Atelier ein und wurde Mitarbeiter der Dachstube. Bereits 1917 stellte er in einer viel beachteten Kollektivausstellung der Galerie Schames in Frankfurt am Main Gemälde und Grafik aus. Zusammen mit Kasimir Edschmid gründete er 1919 die Darmstädter Sezession. Das Radikale und Progressive, die soziale und politische Thematik der Künstlergruppe spiegelte sich nicht in Gunschmanns Werk. Seine künstlerischen Mittel waren zeitgemäß expressiv und neusachlich, aber unabhängig und eigenständig. Gunschmann gehörte zu den wichtigsten Künstlern des Dachstuben-Kreises. Im Verlag der Dachstube erschienen mehrere Gedichtbände, die er mit Original-Grafik illustrierte. 1920 gab der renommierte Berliner Verleger und Kunsthändler Fritz Gurlitt das grafische Werk Gunschmanns in Einzelblättern und Mappenwerken heraus. 1937 übersiedelte Gunschmann nach München und 1939 nach Gstadt/Chiemsee. Er kehrte erst 1952 wieder nach DA zurück. 1949 erhielt er den Georg-Büchner-Preis und beteiligte sich ab 1950 an den Ausstellungen der Neuen Darmstädter Sezession, deren Ehrenpräsident er ab 1966 war. Fast sein gesamtes Frühwerk wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. Erst eine posthume Ausstellung der Galerie Netuschil zum 90. Geburtstag zeigte frühe Ölbilder, die überwiegend als verschollen galten. Gunschmann bestimmte
über sechs Jahrzehnte das Darmstädter Kunstgeschehen mit. Er wurde auf dem Alten Friedhof in DA beigesetzt.

Lit.: Carl Gunschmann 1895-1984. Leben und Werk, mit Textbeiträgen von F. W. Knieß und Claus K. Netuschil, Darmstadt 1985; Christ, Alexa-Beatrice: Carl Gunschmann. Die zwanziger und frühen dreißiger Jahre, Mag. Arb., Mainz 1996.