Stadtlexikon Darmstadt

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Gefängnisse
Gefängnis Rundeturmstraße vor dem Abriss 1970, Foto: Stadtarchiv Darmstadt

Bis in das 18. Jahrhundert wurden die Gefangenen in Stadttürmen und Torhäusern (Stadttore, Stadtmauer) der Darmstädter Stadtbefestigung untergebracht. Als das älteste Gefängnis DAs gilt die Betzenkammer, später Stockhaus genannt. Einige Meter entfernt befand sich das Spinnhaus, das zur Vollstreckung kleinerer Strafen verwendet wurde. Aus beiden entstand nach einigen Um- und Erweiterungsbauten von 1832 bis 1834 das Großherzogliche Provinzial-Arresthaus (Entwurf Franz Heger), das seit 1918/19 Hessisches Landgerichtsgefängnis und später dann Darmstädter Straf- und Untersuchungshaftanstalt hieß und die Adresse Rundeturmstraße 6-10 trug. Daneben gab es in der Riedeselstraße 64 das Arresthaus der Garnison, das während der NS-Zeit Gestapo-Gefängnis war. Das im Krieg zerstörte Gebäude wurde 1950 von der Wiederaufbau GmbH neu errichtet und dem Studentenwerk als Wohnheim übergeben. Eine Raumgröße von 6 m2 und die Tatsache, das nur Betten von 1,80 m Länge aufgestellt werden konnten – typische Merkmale, die an das ehemalige Gefängnis erinnerten – machten 1979 einen Neubau erforderlich. Die kurze Rundeturmstraße und ihr Gefängnis waren Anlass für den in DA kursierenden Witz: „Was ist die längste Straße Darmstadts? Die Rundeturmstraße! Mancher der dort hineinging, kam erst Jahre später wieder heraus“. Berühmter Gefangener des Darmstädter Gefängnisses in der Rundeturmstraße war Pfarrer Friedrich Ludwig Weidig, der sich in der liberal-revolutionären Bewegung engagierte und freundschaftliche Kontakte zu Georg Büchner hatte. Wegen Hochverrats war er seit 1834 in DA inhaftiert, wo er sich am 23.02.1837 das Leben nahm.

1970 wurde das Darmstädter Gefängnis abgerissen, die Gefangenen waren ein Jahr zuvor aus der Rundeturmstraße in die neu gebaute Justizvollzugsanstalt nach Eberstadt verlegt worden. Das neue Gefängnis wurde nach dem ehemaligen Frankfurter Generalstaatsanwalt Fritz Bauer benannt, der sich sehr für schon im Gefängnis beginnende Betreuung und Resozialisierungsmaßnahmen eingesetzt hatte. Auf seine Initiative hin war 1953 der Gefängnisverein Darmstadt e. V. gegründet worden, der sich intensiv der Gefangenenfürsorge widmete. Das im April 1970 eingeweihte Fritz-Bauer-Haus sollte in erster Linie dem Vollzug kurzzeitiger Freiheitsstrafen und der Untersuchungshaft dienen und war vor allem für junge Strafgefangene gedacht, um sie nicht durch den Kontakt zu erwachsenen Kriminellen zu schädigen. 1977 wurde das Eberstädter Gefängnis um ein Freigängerhaus und ein Ausbildungszentrum für Drucker und Schriftsetzer erweitert. Aufgrund seines großzügigen Baus mit Einzelzellen und seiner Ausbildungs- und Freizeitangebote galt das Fritz-Bauer-Haus als Vorbildeinrichtung unter den hessischen Strafanstalten. Neben Lob gab es in der Vergangenheit aber auch immer wieder negative Schlagzeilen wegen Überbelegung, Gefangenenmeuterei, Freitod und Drogenvorkommnissen.