Stadtlexikon Darmstadt

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Weidig, Friedrich Ludwig
Foto: Stadtarchiv Butzbach

Pfarrer
* 15.02.1791 Oberkleen
23.02.1837 Darmstadt
Der Sohn eines Oberförsters besuchte die Butzbacher Lateinschule, studierte in Gießen Theologie und war seit 1812 Konrektor an der Zweiten Knabenschule in Butzbach. 1814 meldete er sich zum freiwilligen Landwehrbataillon in Butzbach, gründete den ersten Turnplatz im Großherzogtum Hessen und initiierte die Gründung einer „Deutschen Gesellschaft“, die ähnliche Grundsätze wie die radikaldemokratischen Gießener „Schwarzen“ verfolgte. In den folgenden Jahren war Weidig immer wieder an Aktionen der liberalen Opposition beteiligt und wurde daher seit 1819 polizeilich beobachtet, ohne dass dies seiner Karriere zunächst Abbruch tat: 1822 promovierte er zum Dr. phil. in Gießen, 1826 erfolgte die Beförderung zum Rektor in Butzbach. 1831 gab Weidig ein „Teutsches Gesangbuch“ zum Besten der Angehörigen der in Södel von großherzoglichen Dragonern getöteten oder misshandelten Bürger heraus. 1831/32 organisierte er die Unterstützung für die durch Hessen ziehenden polnischen Aufständischen. Als einige seiner Schüler sich am Frankfurter Wachensturm 1833 beteiligten, wurde er von Mai bis Juli 1833 in Haft genommen. Anfang 1834 verfasste Weidig die regierungskritische Flugschrift „Leuchter und Beleuchter für Hessen“. Im gleichen Jahr traf er in Butzbach Georg Büchner. Weidig entschärfte Büchners Manuskript für den „Hessischen Landboten“, dessen erste Auflage im Juli gedruckt wurde. Im April 1835 wurde der als Pfarrer nach Obergleen strafversetzte Weidig verhaftet, ins Darmstäder „Arresthaus“ (Gefängnisse) verbracht und durch zermürbende Verhöre des sadistischen Universitätsrichters Georgi in den Selbstmord getrieben; Weidig wurde auf dem Alten Friedhof in DA begraben. Sein tragischer Tod wurde Symbol für die Opposition des Vormärz, die immer wieder mit Veröffentlichungen an das Justizunrecht erinnerte. 1844 untersagte die Regierung in DA Sammlungen für Weidigs Familie, weil sie darin eine „politische Demonstration“ sah. Während der Revolution 1848/49 wurde die Inschrift auf dem eisernen Kreuz seiner Grabstelle wieder freigelegt. Die Stadtverwaltung genehmigte, dass das Grab auf „ewige Zeiten“ erhalten bleibt. Am 17.09.1848 wurde das – mithilfe von Spenden – wiederhergestellte Grab Weidigs mit einer Gedenkfeier eingeweiht, an der 600 Personen teilnahmen.

Lit.: Müller, Hans-Joachim (Hrsg.): Friedrich Ludwig Weidig. Gesammelte Schriften, Darmstadt 1987; Wolf, Dieter (Bearb): Friedrich Ludwig Weidig: (1791-1837). Neue Beiträge zur 200. Wiederkehr seines Geburtstages, Frankfurt/Main [u. a.] 1991; Richter, Hans-Olaf: Der Tod des Friedrich Ludwig Weidig: eine Fallstudie zur strafrechtlichen Bekämpfung vormärzlicher Oppositionsbewegungen. In: Wetterauer Geschichtsblätter: Beiträge zur Geschichte und Landeskunde / im Auftrag des Friedberger Geschichtsvereins und des Geschichtsvereins für Butzbach und Umgebung hrsg., Friedberg, Bd. 55 (2006), S. 103-150; Darmstädter Ehrengräber, Darmstadt 2016 (Darmstädter Schriften 105), S. 244-247.