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Büchner, Georg
Stadtarchiv Darmstadt

Schriftsteller
* 17.10.1813 Goddelau
† 19.02.1837 Zürich
( s.a. Alexander, Ludwig und Luise Büchner) Georg Büchner wurde als erster Sohn des Chirurgen Ernst Büchner und seiner Frau Caroline Büchner, geb. Reuß, geboren. Er war das älteste von acht Kindern, von denen zwei schon früh starben. Mit der Ernennung des Vaters zum Kreisarzt 1816 zog die Familie Büchner nach DA. Schon während seiner Schulzeit hegte Büchner ausgesprochene Sympathien für die freiheitlichen und republikanischen Gedanken der französischen Revolution. Seine außergewöhnlichen rhetorischen Fähigkeiten stellte er bereits als Schüler unter Beweis. Anlässlich einer öffentlichen Schulfeier hielt er 1830 eine Rede über Cato von Utica, einen glühenden Verteidiger der republikanischen Staatsform im alten Rom. Die Themenwahl war umso bemerkenswerter, als acht Wochen zuvor die Pariser Juli-Revolution den französischen König gestürzt und es auch in Hessen erste Aufstände gegen das bestehende System gegeben hatte.

Nach seinem Schulabschluss im März 1831 immatrikulierte sich Büchner im November an der Medizinischen Fakultät der Straßburger Académie und wechselte im Herbst 1833 an die Medizinische Fakultät der Landesuniversität Gießen. Sein Studium wurde immer wieder unterbrochen von Erkrankungen und Aufenthalten im Darmstädter Elternhaus. Im Januar 1834 machte Büchner die Bekanntschaft des Butzbacher Rektors Friedrich Ludwig Weidig, dem Herausgeber einer illegalen Oppositionszeitschrift. Büchner entwarf den später von Weidig so betitelten und stark veränderten „Hessischen Landboten“, der unter dem Motto „Friede den Hütten! Krieg den Palästen!“ radikaldemokratische Gedanken mit sozialistischen Anklängen verbreitete. Im Frühjahr 1834 gründete Büchner in Gießen eine geheime revolutionäre Gruppe mit dem Namen „Gesellschaft der Menschenrechte“; die Gründung einer weiteren Sektion in DA folgte. Beide Aktivitäten waren ein aussichtsloser Versuch, die Landbevölkerung zum Aufstand gegen die herrschende Politik zu mobilisieren.

Unter der Drohung polizeilicher Verfolgung schrieb Büchner im Januar/Februar 1835 innerhalb von fünf Wochen in DA die Revolutionstragödie „Danton’s Tod“ nieder. Im März 1835 floh er nach Straßburg und entkam damit einer Verhaftungswelle in Hessen, die vielen seiner Gesinnungsgenossen mehrjährige Festungshaft eintrug. In Straßburg setzte Büchner sein Studium der Naturwissenschaften fort, widmete sich aber auch intensiv der Philosophie. Hier schrieb er die Erzählung „Lenz“ und die erste Fassung von „Leonce und Lena“, einem der deutschen und französischen Romantik verpflichteten Lustspiel, das stellenweise satirisch die politischen und sozialen Missstände der Zeit aufgreift. In derselben Zeit arbeitete Büchner an „Woyzeck“, einer Szenenfolge, in der er mit scharfer Gesellschaftskritik die von existenzieller Angst beherrschte Welt eines kleinen Soldaten beschreibt. Im September 1836 promovierte Büchner an der Universität Zürich und wurde zum Privatdozenten ernannt. Anfang 1837 erkrankte er an Typhus und verstarb mit 23 Jahren.

Mit seinem scharfen Realismus und der Abkehr vom klassischen Drama nimmt Büchner, besonders mit „Danton’s Tod“ und „Woyzeck“, eine einzigartige Stellung in der deutschen Literatur ein. Mit seinen unfreien und dem Schicksal unterworfenen Helden zeigt sich Büchner als Vorläufer von Naturalismus und Expressionismus. „Woyzeck“ gilt, obwohl es ein Fragment blieb, als das erste bedeutende deutsche soziale Drama. Büchners Andenken gewidmet ist der 1923 als Hessischer Staatspreis zur Kunstförderung gestiftete Georg-Büchner-Preis, der seit 1951 alljährlich durch die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung in DA verliehen wird.

Lit.: Hauschild, Jan-Christoph: Georg Büchner, Hamburg 2004; Kurzke, Hermann: Georg Büchner. Geschichte eines Genies, München 2013; Georg Büchner. Revolutionär mit Feder und Skalpell, Ausstellungskatalog hrsg. von Ralf Beil und Burghard Dedner, Ostfildern 2013.