Stadtlexikon Darmstadt

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Chausseehaus
Das Chausseehaus im Jahre 1902, Foto: Stadtarchiv Darmstadt

Im Zuge des Ausbaus der Bergstraße zu einer breiten Chaussee wurde im Süden Bessungens kurz nach 1770 ein Gasthaus errichtet, das zugleich auch Poststation und Zollerheberstelle war. In Anspielung auf die Rekruten Ludwigs IX., die im nahe gelegenen Bessunger Jagdhof für ihren Dienst in der Nebenresidenz Pirmasens gedrillt wurden, hieß es zunächst „Neu-Pirmasens“, erst später kam der Name Chausseehaus auf. Der erste Wirt war Zollverwalter Johann Conrad Heindel. Das Chausseehaus bot Fuhrleuten und Reisenden auf der Bergstraße zwischen DA und Heidelberg Stallungen und Unterkünfte. Im Laufe des 19. Jahrhunderts entwickelte es sich zu einem der beliebtesten Ausflugslokale der Darmstädter und Bessunger. Hier spielten die „Herzer“, die Kapelle des „Darmstädter Strauß“ Herz Hähnle Hachenburger, regelmäßig zum Tanz auf, im Wechsel mit den Darmstädter Militärkapellen. Chausseehauswirt Ludwig Rost organisierte ab etwa 1860 jährliche Sommertheater, zur damaligen Zeit die einzige regelmäßig bespielte Bühne neben dem Hoftheater. In diesem Rahmen fand am 02.08.1862 die Uraufführung von Ernst Elias Niebergalls Datterich statt. Auch die Tradition der Judithfeste der Darmstädter Accessisten wurde hier 1859 begründet. Seit 1886 war das Chausseehaus durch eine Haltestelle der Dampfstraßenbahn (Straßenbahn) noch besser von DA aus zu erreichen. 1903 wurde das alte Chausseehaus abgerissen und an seiner Stelle ein Neubau errichtet, der nicht mehr die Anziehungskraft des alten Hauses hatte, zumal im Gartensaal Mathilde Dächert im März 1933 die „Bessunger Lichtspiele Darmstadt“, kurz Belida, eröffnete (Kinos in DA). Am 30.06.1958 schloss das Chausseehaus seine Pforten. Heute befindet sich dort eine Filiale der Darmstädter Sparkasse.

Lit.: Möbus, Walter: Bessunger Lesebuch, Darmstadt 1987, S. 204-209; Engels, Peter: Geschichte Bessungens, Darmstadt 2002 (Darmstädter Schriften 83), S. 132-134.