Stadtlexikon Darmstadt

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Alte Vorstadt
Magdalenenstraße Richtung Alexanderstraße, um 1890, Foto: Stadtarchiv Darmstadt

Bis zum 16. Jahrhundert war der Umfang der Stadt DA durch ihre mittelalterliche Stadtmauer bestimmt. Nachdem Landgraf Georg I. hier 1567 seine Residenz und Hofhaltung eingerichtet hatte und die Einwohnerzahl innerhalb weniger Jahrzehnte von knapp 1.500 auf über 2.000 gestiegen war, fand sich in den engen Gassen bald kein Wohnraum mehr für Hofbeamte und neu zuziehende Handwerker, auch kein Platz für die Wirtschaftsgebäude des Hofs. Georg ließ deshalb vor dem Arheilger Tor (Stadttore) im Norden der Stadt eine neue Mühle, die Schloss- oder Baumühle, errichten, dazu Marstall, Schlachthaus und Hofmeierei. Gleichzeitig eröffnete er einen neuen Straßenzug, die heutige Magdalenenstraße, 1867 nach der Gemahlin Ludwigs V. benannt, mit vorgelagerter Platzanlage. 1590 begann mit den ersten acht Häusern entlang der heutigen oberen Alexanderstraße die Bebauung dieser ersten Vorstadt, die sich bis weit in das 17. Jahrhundert hinzog. Die Häuser waren einheitlich mit Schweifgiebeln, vermutlich nach Entwürfen des Baumeisters Jacob Wustmann, gestaltet und in gleichen Abständen, verbunden durch Hofeinfahrten, giebelständig nebeneinander gebaut. An das Vorderhaus schlossen sich Stallgebäude, Scheune und ein Garten an, der von der neuen Stadtmauer abgeschlossen wurde, mit der die Alte Vorstadt zwischen 1590 und etwa 1620 umschlossen wurde. Nach Norden und Osten begrenzten zwei Stadttore, das Sporertor und das Jägertor, die Vorstadtanlage. Ludwig V. und Georg II. errichteten neben weiteren Hofwirtschaftsgebäuden die erste Darmstädter Münze und ein Reithaus, das spätere erste Hoftheater. 1606 wurde der Ballonplatz vollendet. Er war ursprünglich mit Quadersteinen gepflastert und mit einer Mauer umfasst, da er als Ballspielplatz diente, daher der Name. Mauer und Pflasterung verschwanden später. Der Plan, auf dem Platz 1716 eine zweite Darmstädter Kirche durch Louis Remy de la Fosse, den Erbauer des Barockschlosses (Schloss) zu errichten, wurde nicht ausgeführt. Stattdessen stand dort seit 1823 die Ballonschule (Schulwesen). 1938/39 wurde der Platz mit Gebäuden der TU Darmstadt überbaut. Die heutige Platzanlage auf der gegenüber liegenden Straßenseite wurde auf den Grundstücken 1944 zerstörter Häuser angelegt. Landgraf Ludwig VI. (1661-78) eröffnete 1672 zwischen Ballonplatz und Schloss einen neuen Straßenzug, um Ansiedlungswillige nach DA zu ziehen. Er stellte dafür seinen Birngarten, einen Teil des Herrngartens, zur Verfügung. Auch diese neue Straße, die heutige Alexanderstraße, wurde mit einer eigenen Mauer umgeben, die an die alte Stadtmauer anschloss und im Norden mit der Mauer Georgs I. verbunden war. Die Bebauung der neuen Straße begann zögerlich und war erst kurz vor 1700 vollendet. 1687 wurde sie alleeartig ausgebaut und mit Lindenbäumen bepflanzt. Für die Gärten an der Südseite wurden äußere Mauer und Zwinger der alten Stadtmauer bis auf die Fundamente abgerissen. Teile dieser Mauern hat man beim Bau des Wissenschafts- und Kongresszentrums (Kongressgebäude) im Jahr 2004 ausgegraben.

Lit.: Blaß, Georg: Das Stadtbild von Darmstadt in seiner Entwicklung, Mainz 1927, S. 16-21; Diehl, Wilhelm: Der Birngarten. In: Ders.: Alt-Darmstadt. Kulturgeschichtliche Bilder aus Darmstadts Vergangenheit, Friedberg 1913, S. 96-101; Darmstadts Geschichte. Fürstenresidenz und Bürgerstadt im Wandel der Jahrhunderte, von Friedrich Battenberg, Jürgen Rainer Wolf, Eckhart G. Franz, Fritz Deppert. Gesamtredaktion: Eckhart G. Franz, Darmstadt 1980, 2. Aufl. 1984, S. 89-91, 197, 206.