Stadtlexikon Darmstadt

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Mayer, Albert

Gewerkschafter
* 23.05.1900 Darmstadt
† 07.12.1990 Darmstadt
Als Sohn eines Reichsbahnschaffners wuchs Albert Mayer im Martinsviertel auf. Die Entlassung seines Vaters wegen „gewerkschaftlicher Umtriebe“ 1907 und dessen anschließende Existenz als Hilfsarbeiter prägten ihn nachhaltig. Eine Holzarbeiter-Lehre schloss er wegen des Ersten Weltkriegs, in dem er noch Soldat wurde, verspätet ab. Etwa 1919 trat er der Gewerkschaft Holz und der SPD bei. In den 1920er Jahren legte Mayer die Meisterprüfung ab, Anfang der 1930er Jahre besuchte er mit einem Stipendium die Staatliche Fachschule für Wirtschaft und Verwaltung in Düsseldorf. Unter Wilhelm Leuschner und W. Richter wurde er Jugendgruppenleiter der Gewerkschaftsjugend des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes in DA und Anfang der 1930er Jahre einige Zeit SPD-Stadtverordneter. Die Auflösung der Gewerkschaften 1933 durch die Nationalsozialisten erlebte er als Vorsitzender der Gewerkschaft Holz. Er gründete bald mit Ludwig Metzger, A. Stock u. a. einen Kreis Oppositioneller, der 1936 durch einen Unfall aufflog. Nach zwei Jahren Haft wurde Mayer 1939 für „wehrunwürdig“ erklärt, jedoch 1941 eingezogen.

Nach kurzer amerikanischer Kriegsgefangenschaft bekam er am 04.05.1945 von DAs neuem OB Ludwig Metzger den Auftrag, die Gewerkschaften wieder aufzubauen. Nach Gründung des Freien Gewerkschaftsbundes Hessen am 25.08.1946, wurde Mayer 1. Vorsitzender des Bezirks DA/Starkenburg und gründete in rascher Folge über 90 Ortskartelle und 5 hauptamtliche Nebenstellen. Er wurde u. a. Vorsitzender des Bundesverbands der Ortskrankenkassen in Bad Godesberg, Vorsitzender der hessischen und der Darmstädter AOK, Ausschussmitglied beim Landesarbeitsamt, bei der Landesversicherungsanstalt und im Berufsbildungsausschuss der Industrie- und Handelskammer. Entscheidend beteiligt war er auch beim Aufbau der Konsumgenossenschaften, der Büchergilde Gutenberg, der Volksbühne und des DGB-Kulturbunds. Bis 1965 blieb Mayer DGB-Kreisvorsitzender, 1964 bis 1972 war er ehrenamtliches Mitglied im Magistrat. Mit der Bürgerehrung der Stadt wurde er 1960 ausgezeichnet, 1965 mit der Silbernen Verdienstplakette und 1967 mit dem Bundesverdienstkreuz. Er gehörte der Freireligiösen Gemeinschaft an und heiratete 1947 seine Frau Emilie, die bereits 1968 starb.