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Mathilde Großherzogin von Hessen und bei Rhein
Stadtarchiv Darmstadt

(geb. Prinzessin von Bayern)
* 30.08.1813 Augsburg
† 25.05.1862 Darmstadt
Zu den Bewerbern um die älteste Tochter des kunsteifrigen Bayern-Königs Ludwigs I. zählten Kaiser Dom Pedro von Brasilien, der französische Herzog von Orléans, König Ferdinand II. von Neapel und der verwitwete Großherzog Leopold von Toskana. Der persönliche Antrag des gut aussehenden Darmstädter Erbgroßherzogs Ludwig III., mit dem man überdies verwandt war (die Großmütter waren Schwestern), hatte mehr Erfolg. Nach der etwas anstößigen Abfindung der Freundin wurde am zweiten Weihnachtstag 1833 in München geheiratet, ev. und kath., da beide Partner ihre Konfession laut Ehevertrag beibehalten sollten. Dem Einzug in DA am 10.01.1834 folgten mehrere Wochen mit Festkonzerten und Festessen, Bällen und Feuerwerk, die einen neuen Stil ankündigten. Die seit dem Regierungswechsel 1830 stillgelegten künstlerischen Aktivitäten, insbesondere des Hoftheaters, wurden reaktiviert. Nachwuchskünstler reisten zum Teil auf Mathildes Kosten nach München oder zum seit 1832 als König in Athen regierenden Bruder Otto. Die künstlerische Bedeutung der Mathildenhöhe, des als Hochzeitsgeschenk für sie eingerichteten Parks in den einstigen Weinbergen (Weinbau), mit dem von der Stadt gestifteten Gartenhaus, ist allerdings jüngeren Datums. Doch die Wetterauer Sparkasse in Friedberg führt noch heute den damals verliehenen Namen „Mathildenstift“. Selbst kinderlos, hat sich Mathilde später vor allem um die Kinderfürsorge gekümmert: um die vorher von Schwiegermutter Wilhelmine betreute „Kleinkinderschule“, den nach 1849 begründeten „Frauenverein zur Rettung sittlich verwahrloster Kinder“, der nach ihrem Tod „Mathildenverein“ hieß, und um das „Mathilden-Landkrankenhaus“ (Heinrich Georg Küchler) für „arme Kranke vom Lande“ in der Heinheimer Straße. Die nach mehrjähriger Krebserkrankung verstorbene Mathilde erhielt ihre Grabstätte in der kath. St. Ludwigskirche. Neben der Mathildenhöhe erinnert der 1834 nach ihr benannte Mathildenplatz noch heute an sie.

Lit.: Beck, Barbara: Mathilde, Großherzogin von Hessen und bei Rhein geborene Prinzessin von Bayern (1813-1862), Darmstadt 1993; Haus Hessen. Biografisches Lexikon, hrsg. von Eckhart G. Franz (Arbeiten der Hessischen Historischen Kommission, NF 34), Darmstadt 2012, HD 72, S. 349f.