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Karrillon, Adam

Schriftsteller
* 12.05.1853 Wald-Michelbach
† 14.09.1938 Wiesbaden
Die Familie Karrillon ist französischen Ursprungs – franz. „carrillon“ bedeutet „Glockenspiel“ (ein Vorfahr soll Hufschmied am Hofe Ludwigs XIV. gewesen sein). Der 1808 geborene Vater erhielt erst 1850 nach mehreren Bewerbungen eine Lehrerstelle in Wald-Michelbach. Adam Karrillon wuchs in armen Verhältnissen auf und besuchte nach der Volksschule das bischöfliche Knabenkonvikt in Mainz, wollte jedoch kein Geistlicher werden und studierte in Gießen und Würzburg Medizin. 1883 übernahm er eine Praxis in Weinheim, die er bis zu seinem Umzug nach Wiesbaden 1918 führte; sein Sohn hat sie 1912 übernommen, fiel jedoch 1915.

Adam Karrillon begann erst nach dem 40. Lebensjahr zu schreiben, seine ersten Texte waren Reiseberichte. Sein erstes Buch war „Eine moderne Kreuzfahrt“ (1898), worin er seine erste Seereise 1894 auf dem Dampfer „Darmstadt“ (Darmstadt, Schiffe) nach Palästina beschrieb. Sein erster großer Erfolg wurde „Michael Hely. Der Dorfteufel“ (Die Erstausgabe wurde 1900 wegen Bankrott des Verlags nicht ausgeliefert, die 2. verbesserte Auflage erschien 1904). Hier wie in den folgenden Werken verarbeitete Karrillon seine Kindheitserlebnisse und die Romanfiguren enthalten Erinnerungen an reale Personen. Seinem Werk tut man Unrecht, wenn man es lediglich als Heimatkunst charakterisiert. „Karrillon verband eine genaue Kenntnis der kleinen Leute mit Odenwälder Direktheit und ärztlichem Realitätssinn zu einer Sichtweise, die sich weit über die übliche Heimatkunst erhob, und die den Humor und die Ironie nicht als aufgesetzte Zugabe begriff.“ (Ludwig Fertig). „Im Lande unserer Urenkel“ (1911) ist nach einer Schiffsreise entstanden, die ihn als Bordarzt nach Kamerun und Togo führte. In „Bauerngeselchtes. Sechszehn Novellen aus dem Chattenland“ (1913) hat er viele eigene Erlebnisse aus seiner landärztlichen Praxis verarbeitet, wobei er sich hinter dem viel sagenden Pseudonym „Ebenich“ verbirgt. In dem Roman „Adams Großvater“ (1917) hat er seine eigene Familiengeschichte verarbeitet, in „Sechs Schwaben und ein halber. Eine Weltreise“ (1919) seine Ostasienreise, wieder als „Dr. Ebenich“, der als Patient in einem Hongkonger Hospital ein aus Langgöns bei Gießen stammendes Zimmermädchen trifft, das ihm zuweilen aus Ernst Elias NiebergallsDatterich“ vordeklamiert. Viele weitere Werke folgten.

Karrillon war 1923, zusammen mit Arnold Mendelssohn, der erste Träger des neu gestifteten Georg-Büchner-Preises. Bereits 1921 wurde ihm die Ehrenbürgerschaft Wald-Michelbachs verliehen und eine Gedenktafel an seinem Geburtshaus angebracht. Heute befindet sich ein Karrillon-Zimmer im Heimatmuseum und die dortige Grundschule ist nach ihm benannt.

Lit.: Deschler, Ralph: Karrillon-Biographie, Weinheim 1978. (= Weinheimer Geschichtsblatt Nr. 29); Esselborn, Karl (Hrsg.): Adam Karrillon. Altes und Neues über ihn und von ihm, Darmstadt 1923, S. 1-118; Fertig, Ludwig: Deutscher Süden. Dichter an der Bergstraße, Darmstadt 1994 (Hessische Beiträge zur deutschen Literatur).