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Henrich, Wilhelm
Foto: Stadtarchiv Darmstadt

Kultusbeamter, Theaterintendant
* 06.02.1889 Darmstadt
† 11.12.1955 Darmstadt
Der Sohn des hessischen Finanzministers Konrad Henrich besuchte in DA das Ludwig-Georgs-Gymnasium und wurde nach dem Studium der Rechtswissenschaft und der Volkswirtschaft als Regierungsassessor in die Landesverwaltung übernommen. Es folgten Tätigkeiten beim Kreisamt Büdingen sowie als Landamtmann der Provinz Starkenburg. 1922 warb Wilhelm Henrich in Darmstädter Tageszeitungen für den von der Deutschen Demokratischen Partei in den Hessischen Landtag eingebrachten Antrag zur Stiftung des Georg-Büchner-Preises. Eine seinen kulturellen Interessen entsprechende Aufgabe fand Henrich 1923 beim hessischen Landesamt für das Bildungswesen, wo man ihm das Referat über das Landestheater und die künstlerischen Fachschulen anvertraute. Diese Funktion führte ihn ferner in den Beirat des deutschen Bühnenvereins und die Reichskunstkonferenz. Durch die Mitwirkung beim Ständigen Rat zur Pflege der Kunst in Hessen war Henrich während der Weimarer Republik in die öffentliche Kunstpolitik der Hessischen Landeshauptstadt eingebunden. Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten wurde er im März 1933 unter Berufung auf das Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums aus allen Ämtern entlassen. Die Regierung Großhessens unter Ludwig Bergsträsser betraute Henrich nach dem Ende der Nazidiktatur mit dem Fachreferat für kulturelle Angelegenheiten, ferner berief man ihn zum ersten Intendanten des Interimstheaters in der Bessunger Orangerie (Landestheater in der Orangerie). Mit Henrichs kurzer Intendanz – sie dauerte nur bis zur Ernennung seines Nachfolgers Walter Jockisch in der Spielzeit 1946/47 – verbindet sich die Berufung des Regisseurs Karl Heinz Stroux, die Verpflichtung des Generalmusikdirektors Carl Mathieu Lange und die Wiedereröffnung des Theaters mit Goethes „Iphigenie auf Tauris“ am 15.12.1945. Henrich verfasste zahlreiche, aber heute in Vergessenheit geratene Prosawerke und Dichtungen, von letzteren erlebten einige auch ihre Aufführung in den Vertonungen Paul Ottenheimers.

Lit.: Kaiser, Hermann: Vom Zeittheater zur Sellner-Bühne. Das Landestheater Darmstadt von 1933 bis 1960, Darmstadt 1961.