Stadtlexikon Darmstadt

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Haus für Industriekultur
Foto: Nikolaus Heiss, Darmstadt

(ehemals; jetzt HLMD, Abteilung für Schriftguss, Satz und Druckverfahren) Das denkmalgeschützte viergeschossige Gebäude in der Kirschenallee 88 wurde 1906 im Auftrag des Hofmöbelfabrikanten Ludwig Alter als Fabrik von dem Darmstädter Architekt Karl Klee (1871-1927) errichtet. 1909 arbeitete hier auch der gewerkschaftlich organisierte spätere Widerstandskämpfer Wilhelm Leuschner. Im und nach dem Ersten Weltkrieg machte sich die Firma mit Flugzeug- und Eisenbahnwaggonbau einen Namen. Infolge der Wirtschaftskrise wurde nach 1929 die Liquidation eingeleitet. Seit 1937 nutzte die Adam Opel AG das Gebäude als Ersatzteil- und Auslieferungslager. Deswegen wurde der Bau lange Zeit im Darmstädter Sprachgebrauch „Opelbau“ genannt. 1992 erwarben das Land Hessen und die Stadt DA das Gebäude von dem damaligen Besitzer, der Firma Donges Stahlbau GmbH, für den Verein „Haus für Industriekultur e. V.“, der 1985 gegründet worden war. Der Verein hatte 1986 den Bestand sämtlicher Bleisatz-Schriften, dazugehöriger Gieß-Matrizen, Gießereiproben, Stempel, Schablonen und Gießmaschinen aus dem Nachlass der größten europäischen Schriftgießerei, der D. Stempel AG (1895-1985) in Frankfurt/Main, übernommen. Nach einem Umbau wurde das Museum 1996 eröffnet, seit 2001 gehört es als Abteilung zum Hessischen Landesmuseum. Das Museum hat sich zum Ziel gesetzt, das industrielle Erbe des Maschinenzeitalters in der Drucktechnik, das durch Einführung der neuen elektronischen Technologien verloren geht, zu erhalten und seinen kulturellen Wert zu vermitteln. Anhand zahlreicher funktionsfähiger Maschinen werden von ehrenamtlich tätigen Setzern und Druckern Arbeitstechniken vorgeführt, die den Übergang von der Handarbeit zur Maschinenarbeit im Druckgewerbe von Anfang des 19. Jahrhunderts bis in die 1970er Jahre anschaulich dokumentieren. So gibt das Haus einen Überblick über die Geschichte der Linotype Zeilensetz- und Gießmaschine (1886-1971) und präsentiert die Entwicklung der Druckmaschinen für den Hochdruck von der gusseisernen Handpresse des 19. Jahrhunderts bis zur hochtechnisierten Zeitungsrotationsmaschine der Firma MAN von 1935. Im dritten Obergeschoss betreibt Rainer Gerstenberg eine der letzten europäischen Schriftgießereien; der Tiefdruck (Radierung) und der Flachdruck (Lithografie) finden praktische Anschauung in Druck-Werkstätten; zudem gibt eine Buchbinde-Werkstatt Einblick in Buchbindetechniken. In speziellen Workshops und Kursen werden historisches Wissen und praktische Fähigkeiten vermittelt.