Stadtlexikon Darmstadt

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Saeng, Ludwig (Vater)
Ludwig Saeng sen. in der Tür seiner Buchhandlung, Foto: Archiv Karl-Eugen Schlapp, Darmstadt

Buchhändler
* 10.11.1848 Darmstadt
† 06.11.1931 Darmstadt
Ludwig Saeng war 1865 bis 1877 in Mainz und in Frankfurt im Versicherungswesen tätig, heiratete am 25.08.1876 Emilie (1855-1927), die Tochter des Buchhändlers Johann Schmitt, zog 1877 nach DA und übernahm im selben Jahr die von seinem Schwiegervater gegründete Schulbuchhandlung des Hessischen Landeslehrervereins und Landeslehrmittelanstalt. Die Buchhandlung befand sich zunächst in der Karlstraße. Saeng erweiterte sie zu einem offenen Ladengeschäft und verlegte sie 1892 in die Kirchstraße 20. Danach begann der überzeugte Demokrat seine vielfache politische Tätigkeit. Seit 1895 war er aktives Mitglied der freisinnigen „Fortschrittlichen Volkspartei“, von 1895 bis 1919 Mitglied der Stadtverortnetenversammlung, 1902/03 einer der beiden Vertreter der Linksparteien im Hessischen Landtag und 1914 bis 1920 im Starkenburger Provinzialtag. Schon in den 1870er Jahren war er Mitglied des „Demokratischen Vereins“ in Frankfurt und über 40 Jahre im Vorstand des „Darmstädter fortschrittlichen und demokratischen Vereins“. Er war Ehren-Vorstandsmitglied der Demokratischen Partei und Ehrenmitglied des Mitteldeutschen Buchhändler-Verbands. In der
Stadtverortnetenversammlung setzte sich Saeng u. a. für schulpolitische Themen ein und forderte bereits 1900 die Einheitsschule. Noch im September 1918 bezeichnete OB Wilhelm Glässing diese Forderung als utopisch, doch am 04.03.1919 wurde durch das Landesamt für Bildungswesen die Aufhebung der Vorschulklassen bei allen weiterführenden Schulen verfügt. Einspruch erhob Saeng auch gegen die Aufstellung des Bismarck-Denkmals auf dem Marktplatz, es wurde 1906 an seinem heutigen Standort auf dem Ludwigsplatz eingeweiht. 1920 schied Saeng im Alter von 72 Jahren aus dem aktiven politischen Leben aus. Treu blieb er den alten Idealen der 1848er und trug den breitkrempigen Demokratenhut mit Stolz. Ab Juni 1929 veröffentlichte er in der „Hessischen Demokratischen Wochenschrift“ in neun Folgen seine „Erinnerungen eines Stadtverordneten aus alter Zeit“, in denen er v. a. über die Auseinandersetzungen um das Schulwesen berichtet. Seit 1890 war er Vorsitzender und seit 1910 Ehren-Vorstandsmitglied des Vereins für naturgemäßes Leben und Heilweise (Naturheilvereins).

Lit.: Saeng, Ludwig: Erinnerungen eines Stadtverordneten aus alter Zeit. In: Hessische Demokratische Wochenschrift 1929; „Zur goldenen Hochzeit von Buchhändler Saeng“ [25.08.1926]. In: Schulbote für Hessen 1926, S. 730f.