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Odenwaldklub

Am 08.01.1882 beschlossen 70 Wanderer in Zipfen am Otzberg die Gründung des Odenwaldklubs. Die eigentliche Gründungsversammlung fand am 10. April desselben Jahres in Erbach statt. Erster Vorsitzender wurde der Gräfliche Erbacher Forstmeister W. Ihrig. Die damals formulierten und bis heute gültigen Ziele des Odenwaldklubs waren: „Den Besuch des Odenwaldes zu erleichtern und annehmlicher zu machen durch Aufstellung von Wegweisern, Verbesserung der Gebirgswege, Herstellung von Aussichtspunkten und Ruheplätzen sowie durch Ausbildung von Fremdenführern und Einwirkung auf Verbesserung der Gasthäuser, (…) und durch Vorträge, gesellige Zusammenkünfte und gemeinschaftliche Exkursionen, überhaupt durch Wort und Schrift (...) das Interesse für das Gebiet anzuregen und zu erhalten.“ Die Gründung des Odenwaldklubs fiel in die Zeit, als sich die so genannte Jugendbewegung zu formieren begann. Neben der Gestaltung des Wegenetzes, des Landschafts- und Naturschutzes war in diesem Sinne die Förderung des Gemeinschaftssinns durch gemeinsames Wandern ein wichtiger Aspekt des Klublebens. Vor allem Städter waren es anfangs, die sich im Odenwaldklub der Natur zuwandten und sich den Besuch des Odenwalds zu erleichtern suchten. Die Aktivitäten des Odenwaldklubs trugen wesentlich dazu bei, das damals noch zu den ärmsten Gebieten des Landes zählende Mittelgebirge durch die schrittweise Erschließung für den Tourismus zu fördern. 1889 wurde das farbige Wegemarkierungssystem geschaffen, das zuletzt im Jahr 2000 eine Neugestaltung erfuhr. Seit 1913 erscheint vierteljährlich die Zeitschrift „Die Dorflinde“, die neben Beiträgen zum Vereinsgeschehen geschichtliche und heimatkundliche Informationen über den Odenwald bietet und Fragen des Natur- und Landschaftsschutzes diskutiert.

Kaum einen Monat nach der Gründung des Gesamt-Odenwaldklubs schlossen sich in DA und Eberstadt Ortsgruppen zusammen, die damit zu den ältesten Sektionen gehören: In DA war der damalige OB Albrecht Ohly Gründungsmitglied, in Eberstadt wurde am 03.05.1882 durch Oberförster Joseph eine Ortsgruppe ins Leben gerufen. Freude am Wandern hatte auch ein anderer Darmstädter OB: Ludwig Metzger war von 1947 bis 1971 Vorsitzender des Odenwaldklubs und wurde anschließend zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Das 100-jährige Bestehen des Ortsvereins DA wurde 1982 mit einem akademischen Festakt im Darmstädter Luisencenter begangen; der Verein wurde zu diesem Anlass mit der Silbernen Verdienstplakette der Stadt DA für die Pflege von Brauchtum und Natur ausgezeichnet. Obwohl Wandern auch bei jungen Menschen als Freizeitbeschäftigung immer beliebter wird, leidet der Odenwaldklub unter rückläufigen Mitgliederzahlen. Waren es 2007 noch ca. 17.000 Mitglieder, zählte der Verein im Jahr 2011 nur noch 14.000 organisierte Wanderer. Der Rückgang ist vor allem bedingt durch die Altersstruktur, nur zehn Prozent der Mitglieder sind Kinder und Jugendliche. So konzentriert sich der Odenwaldklub bei seiner Mitgliederwerbung verstärkt auf Singles und Familien. Seit einigen Jahren arbeitet der Odenwaldklub auch mit einigen Krankenkassen zusammen, wie der Barmer und der AOK, die an ihre Versicherten, die gleichzeitig dem Odenwaldclub angehören, Bonuspunkte verteilen.