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Mehmel, Alfred
Foto: TU Darmstadt, Universitätsarchiv

Bauingenieur
* 22.09.1896 Köln
† 15.11.1972 Darmstadt
Nach der Rückkehr aus dem Ersten Weltkrieg studierte Alfred Mehmel 1918 bis 1921 Bauingenieurwesen an der TH Darmstadt, promovierte 1926 in Karlsruhe und habilitierte sich dort 1934. Dazwischen lag eine mehrjährige Tätigkeit in der Bauindustrie. 1934 wurde Mehmel Referent für konstruktiven Ingenieurbau beim Reichsluftfahrtministerium in Berlin. 1939 folgte er der Berufung auf die o. Professur für Eisenbeton- und Massivbau an der TH Darmstadt, obwohl ihm auch in Berlin eine aussichtsreiche Karriere offen stand. Die im Institut für Massivbau betriebene Forschung und Lehre war darauf angelegt, Bauverfahren und Bautechnik weiterzuentwickeln und die Arbeit des Ingenieurs rationeller zu gestalten. Mehmels besonderes Interesse galt neben dem Brückenbau der Schalenbauweise, der er in den 1930er Jahren maßgebend zum Durchbruch verholfen hatte. Unter seiner Leitung wurden umfangreiche Untersuchungen zur Abgrenzung von Kreiszylinderschalen durchgeführt. Auf dem Gebiet der Anwendung der Modellstatik gab er richtungweisende Impulse (Auditorium Maximum der Universität Mainz, Jahrhunderthalle Hoechst, Flugzeug-Wartungshalle auf dem Rhein-Main-Flughafen). Über vorgespannte Konstruktionen hat er ein viel beachtetes Standardwerk geschrieben. Bei einer großen Zahl hervorragender und ungewöhnlicher Bauwerke wurde Mehmel als Gutachter herangezogen. Nach der Inbetriebnahme der Massivbau-Versuchsanstalt gelang es ihm, Forschung und Praxis auch auf dem experimentellen Gebiet in idealer Weise zu verbinden. Als Dekan der Fakultät für Bauingenieurwesen 1944/45 bemühte sich Mehmel um die Aufrechterhaltung des Lehrbetriebs nach den schweren Zerstörungen im September 1944 und stand der Fakultät auch in den Nachkriegsjahren 1947/48 vor, ebenso 1958/59. Von 1949 bis 1951 war Mehmel Rektor der TH Darmstadt. Die Entwicklung der TH Darmstadt wurde in diesen Jahr durch den Wiederaufbau und die räumliche Expansion in Gebiete der ehemaligen Altstadt charakterisiert. Hier entstand auch sein 1956 in Betrieb genommenes Institut für Massivbau. Die Stadt DA würdigte seine Leistungen 1965 durch die Verleihung der Silbernen Verdienstplakette. Nach seiner Emeritierung 1964 lehrte Mehmel kommissarisch noch weitere zwei Jahre bis zur Berufung seines
Nachfolgers. Er wurde auf dem Alten Friedhof in DA beigesetzt.

Lit: Schmidt, Isabel: Nach dem Nationalsozialismus. Die TH Darmstadt zwischen Vergangenheitspolitik und Zukunftsmanagement (1945-1960), Darmstadt 2015, S. 78–98.