Stadtlexikon Darmstadt

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Leibgarde

Die Darmstädter „Leibgardisten“, in der Nummerierung des preußisch-deutschen Heeres bis 1918 „Leibgarde-Infanterie-Regiment Nr. 115 (1. Großherzoglich Hessisches)“, führen ihre über 300-jährige Tradition zurück auf die Anwerbung der ersten Leibkompanie durch den Darmstädter Stadthauptmann Hans Diehl Dreßler 1620/21 zu Beginn des Dreißigjährigen Kriegs. In den Kriegen gegen Frankreich um 1700 wurde das aus dem „Leibgarde-Bataillon“ erwachsene Schrautenbach’sche Regiment (Weitolshausen) zeitweilig auf zehn und mehr Kompanien verstärkt, in friedlicheren Zeiten aber wieder „reduziert“. Im 18. Jahrhundert bekamen die Leibgardisten, die damals die hohen preußischen Grenadiermützen trugen, ihre erste Kaserne im ehemaligen Bauhof und übten im auf Weisung des „Soldaten-Landgrafen“ Ludwig IX. neu gebauten Exerzierhaus oder auf dem ebenfalls damals angelegten „Exert“ im Westen der Stadt. Die Regimentsgeschichte verzeichnet die kriegerischen Einsätze in den Koalitionskriegen der 1790er Jahre und in der nachfolgenden Rheinbundzeit, zu denen auch die verlustreiche Kampagne in Russland zählte. 1860 wurde das Regiment von der mehrfach ausgebauten Kaserne in der Alexanderstraße nach Worms verlegt, kehrte aber nach dem Krieg von 1870/71, den man zur 250. Geburtstagsfeier nutzte, in die Haupt- und Residenzstadt zurück. Erst während des Ersten Weltkriegs wurde zur Entlastung der nunmehrigen „Ernst Ludwig Kaserne“ eine zweite Leibgarde-Kaserne in der Holzhofallee errichtet, die nach dem ersten Kommandeur „Schrautenbach-Kaserne“ hieß. Als der „Bund der Hessischen Leibgardisten“ 1928 das beim 300. Jubiläumsfest beschlossene Löwen-Denkmal am Schlossgraben einweihte, lag DA in der nach dem Versailler Vertrag entmilitarisierten Zone. Doch mit der vertragswidrigen Neubelegung der Darmstädter Garnison wurde 1936 die alte Regimentsnummer 115 neu belebt. An der Eschollbrücker Straße entstanden mit der Ernst-Ludwig- und der Leibgarde-Kaserne neue Quartiere. „Der Leibgardist“, das Mitteilungsblatt der Veteranen-Kameradschaft, erscheint bis heute.