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Landsberger, Julius
Julius Landsberger, Landesrabbiner der Liberalen Jüdischen Gemeinde, Stadtarchiv Darmstadt

Rabbiner, Orientalist
* 30.07.1819 Zülz/Schlesien
† 03.03.1890 Darmstadt
Die religiöse Erziehung durch seinen Vater führte Julius Landsberger jung an eine Talmud-Akademie. Seine Befähigung, ein Rabbinat zu bekleiden, erlangte er bereits mit 18 Jahren. Ein Studium orientalischer Sprachen schloss sich an. Nach der Universität von Breslau 1842 bis 1845 folgte kurz Berlin, bevor er 1847 in Halle den Doktortitel der Philosophie erwarb. Zum Rabbiner der Brüdergemeinde in Posen wurde Landsberger 1854 ernannt. Im Jahr 1859 berief man ihn nach DA. Die Spaltung der Gemeinde (Juden in DA
, Jüdischer Friedhof, Synagogen) konnte er nicht verhindern. Predigten anlässlich der Einweihung der liberalen Synagoge 1876 oder Trauerreden zum Tod Großherzog Ludwigs III., Kaiser Wilhelms I. und dessen Sohn Kaiser Friedrich wurden gedruckt und veröffentlicht. Zum 50. Todestag Johann Wolfgang von Goethes 1882 hielt er eine Ansprache mit dem Titel „Faust und Hiob“. Er übersetzte mehrere arabische Märchen und Fabeln. Während des Kriegs 1870/71 las er für die in Griesheim gefangenen Zuaven der französischen Armee auf Arabisch aus dem Koran. Als Rabbiner folgte ihm 1890 David Selver nach. Auf dem Jüdischen Friedhof in DA fand Julius Landsberger seine letzte Ruhestätte. 2011 wurde der Julius-Landsberger-Platz auf dem Gelände des Klinikums DA nach ihm benannt.

Lit.: Franz, Eckhart G.: Juden als Darmstädter Bürger, Darmstadt 1984, S. 233f.; Hessische Biographien. In Verbindung mit Karl Esselborn und Georg Lehnert hrsg. von Hermann Haupt, Darmstadt 1918-1934, Bd. 2, S. 232-234.