Stadtlexikon Darmstadt

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Kongressgebäude

Nach der Zerstörung des Saalbaus und der Festhalle im Zweiten Weltkrieg gab es in DA lange Jahre keine Säle bzw. Hallen für die Veranstaltung größerer Tagungen und Kongresse. Die Orangerie wurde vom Landestheater genutzt, die Säle der Otto-Berndt-Halle und des Justus-Liebig-Hauses waren zu klein. Als Ausweichmöglichkeiten dienten die Ausstellungshallen auf der Mathildenhöhe und die 1948 als Stadthalle mit 800 Plätzen eröffnete Turnhalle bzw. Aula der Eleonoren- und Justus-Liebig-Schule, die aber für einen Kongress- und Tagungsbetrieb ungeeignet war. Die Stadthalle diente nebenbei ebenfalls als provisorische Aufführungsstätte für das Staatstheater. Als dieses 1972 seinen Neubau bezog, wurde die Stadthalle wieder für ihren ursprünglichen Zweck als Sporthalle eingerichtet.

In den 1950er Jahren war mehrfach der Neubau eines Saalbaus an verschiedenen Orten vorgesehen, aber nie verwirklicht worden. In einer Studie über „Fremdenverkehr in Darmstadt“ forderte Verkehrsamtsleiter Reinhold Staudt 1970 eine qualitative und quantitative Steigerung des Hotelangebots sowie den Bau einer großen Kongresshalle, da die Stadt DA große Schwierigkeiten habe, Kongresse von 500 Teilnehmern oder darüber zu verkraften. Staudt versprach sich eine Lösung durch den Wiederaufbau der Ruine des alten Landestheaters als Kongresszentrum, aber auch diese Planungen scheiterten. Erst der Bau des Luisencenters mit dem großen Kongresssaal schuf eine gewisse Abhilfe. Mit dem Verkauf des städtischen Anteils am Luisencenter und der Umgestaltung des Gebäudes durch einen Investor gab die Stadt im Jahr 2000 auch den Kongresssaal auf, und begann zugleich mit den Planungen für ein neues Wissenschafts- und Kongresszentrum. Am 11.10.2004 begannen mit dem ersten Spatenstich die Bauarbeiten nach dem Entwurf des Wiener Architekten Talik Chalabi. Im Dezember 2007 konnte das neue Kongresszentrum, dessen Namensgebung „Darmstadtium“ für Diskussionen sorgte, eröffnet werden. Reste der mittelalterlichen Stadtmauer wurden in den Neubau integriert und mit Informationstafeln den Besuchern zugänglich gemacht. Seither finden im Darmstadtium jedes Jahr mehr als 300 Veranstaltungen mit rund 150.000 Besuchern statt: Tagungen, Kongresse, Konzerte und sonstige Kulturveranstaltungen. In den Neubau sollte auch ein „Cybernarium“, ein Museum virtueller Computerwelten, einbezogen werden. Nach dem Scheitern der diesbezüglichen Pläne nutzt das Darmstadtium den dafür vorgesehenen Raum seit Ende 2014 als kleinen Kongresssaal.

Lit.: Darmstadtium. Idee, Plan, Bauprojekt, hrsg. Bauverein AG, Darmstadt 2007.