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Karoline Henriette Landgräfin von Hessen-Darmstadt
Grabmal von Landgräfin Karoline im Herrngarten, Foto: Uli Emig

(geb. Pfalzgräfin von Zweibrücken)
* 09.03.1721 Straßburg/Elsass
† 30.03.1774 Darmstadt
Der Rappoltsteiner Hof, das spätere Hôtel Deux-Ponts in Straßburg, in dem Karoline zur Welt kam, ist nur eine Straßenecke vom 1736 den Darmstädtern zugefallenen Palais Hanau-Lichtenberg entfernt. Doch schon kurz nach der Hochzeit mit dem militärbegeisterten Erbprinzen (Ludwig IX.) 1741 folgte sie ihm für anderthalb Jahrzehnte ins fernab gelegene Prenzlau in der Uckermark, wo er ein preußisches Regiment kommandierte. Aus dem persönlichen Zusammentreffen Karolines mit dem Preußenkönig Friedrich II. entwickelte sich ein lebenslanger literarisch-philosophischer Briefwechsel. Die Korrespondenz, die zahlreiche Protagonisten der deutschen und französischen Aufklärung einbezog, überbrückte die scheinbare Isolierung, als Karoline 1757 mit den Kindern in die kleine Residenz Buchsweiler zog, während Ludwig in Pirmasens seine Grenadiere drillte.

Erst ab 1765 wohnte Karoline auf Einladung des Schwiegervaters in dem für sie ausgebauten Assemblée-Trakt des Darmstädter Schlosses, wo sich der in der Darmstädter Tradition verklärte „Musenhof“ der so genannten „Empfindsamen“ bildete (Kreis der Empfindsamen). Karoline war zwar auch nach der Thronbesteigung ihres Gatten Ludwigs IX. 1768 nie „Regentin“, gleichwohl aber tatkräftig und umsichtig um das Wohl der Familie besorgt. Sie war eine begeisterte Parforce-Jägerin und wusste das schmale Budget durch eigene Unternehmen wie die mit Hilfe der Karlsruher Schwägerin gegründete Krappfabrik in Pfungstadt aufzubessern. Erfolgreich war ebenfalls die standesgemäße Versorgung der Töchter, die mit den Thronerben in Berlin, Homburg, Karlsruhe und Weimar verheiratet wurden. Den Fehlschlag der glanzvollsten Partie, der mit der oft beschriebenen „russischen Reise“ 1773 verknüpften Ehe von Tochter Wilhelmine mit Zarewitsch Paul, dem Erben der „großen“ Katharina in St. Petersburg, hat die nicht nur von Goethe als „große Landgräfin“ gefeierte Karoline nicht mehr erlebt. Der vom preußischen Friedrich gestiftete Grabstein im Herrngarten wirkt mit der Inschrift „Femina sexu, ingenio vir“ („eine Frau von Geschlecht, an Geisteskraft ein Mann“) heute gelegentlich als Stein des Anstoßes. Seit 1975 ist der Karolinenplatz nach ihr benannt.

Lit.: Wolf, Jürgen Rainer: „Soldatenlandgraf“ und „Große Landgräfin“. In: Fürstenhof und Gelehrtenrepublik. Hessische Lebensläufe des 18. Jahrhunderts, Wiesbaden 1996; Panzer, Marita A.: Die Große Landgräfin Caroline von Hessen-Darmstadt (1721-1774), Regensburg 2005; Haus Hessen. Biografisches Lexikon, hrsg. von Eckhart G. Franz (Arbeiten der Hessischen Historischen Kommission, NF 34), Darmstadt 2012, HD 46, S. 314f.; Leuschner, Ulrike: Die Russlandreise der „Großen Landgräfin“ Karoline von Hessen-Darmstadt im Jahr 1773. In: Unterwegs … des Fürsten Reiselust, Katalog Schlossmuseum, Darmstadt 2012, S. 27-54; Journal du voyage en Russie. Marianne von Löws Tagebuch der Russlandreise der Großen Landgräfin Karoline von Hessen-Darmstadt 1773, hrsg. U. Leuschner und R. Maaß, Darmstadt und Marburg 2015 (Quellen und Forschungen zur hessischen Geschichte 171).