Stadtlexikon Darmstadt

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Feuchtwiesen im Messeler Hügelland
Breitblättriges Wollgras (Eriophorum latifolium), 1979, Foto: Klaus-Dieter Jung, Darmstadt

(s. a. Pflanzenwelt) Sandmagerrasen im Westen und Feuchtwiesen im Osten – diese Vielfalt v. a. macht den Reiz der Darmstädter Flora aus. Die Feuchtwiesen im Kranichsteiner und Bessunger Wald verdanken ihren Ursprung zum einen den geologischen Bedingungen: Der im Vorderen Odenwald anstehende Granit verwittert lehmig, ebenso bildet das Rotliegende des Messeler Hügellands staunasse Lehmböden mit hohem Grundwasserstand aus, Grundlage für ausgedehnte Eichen-Hainbuchenwälder. Diese Wälder wurden zum anderen wegen der Jagdleidenschaft der Landgrafen (Jagdgeschichte) v. a. in den Auenbereichen von Darmbach, Ruthsenbach, Silz, Mörsbach und Heegbach gerodet, damit genügend Äsungsflächen für das Wild im Wildpark Kranichstein vorhanden waren. Die so geschaffenen, äußerst artenreichen Feuchtwiesen wurden dann landwirtschaftlich als Weide- oder Mähwiesen genutzt und blieben großenteils bis heute erhalten. Nur wenige besonders wertvolle Bereiche werden durch Pflegemahd vor Verbuschung bewahrt und erhalten.

Den schönsten Eindruck von den Feuchtwiesen erhalten Spaziergänger wohl im Spätfrühling, wenn blaue und gelbe Schwertlilie zusammen mit Knabenkräutern und zahlreichen, teilweise seltenen Gräsern und Seggen blühen

Lungen-Enzian (Gentiana pneumonanthe), 1992, Foto: Klaus-Dieter Jung, Darmstadt

Den Sommeraspekt bilden v. a. Knollige und Sumpf-Kratzdistel zusammen mit Sumpf-Herzblatt, Sumpf-Stendelwurz und vielen Doldenblütlern. Im Spätsommer treten dann Pracht-Nelke, Lungen-Enzian und Herbstzeitlose hinzu. An wenigen Stellen der Feuchtwiesen tritt kalkhaltiges Quellwasser zutage und bildet Kalksümpfe mit den seltenen Arten Breitblättriges Wollgras, Stumpfblütige Binse und Davalls Segge. Wegen des Übergangs zur Rheinebene bestehen in manchen Bereichen der Wiesen auch niedrige Flugsandauflagen, Wuchsorte für magere Borstgrasrasen. Hier findet man neben dem namengebenden Borstgras auch Waldläusekraut, Kreuzblümchen und Teufelsabbiss. Die besondere Bedeutung der Kranichsteiner Wiesen wurde von Martin Trentepohl (1965) herausgestellt. Insbesondere auf Rod- und Silzwiese wachsen wohl hessenweit die wertvollsten Feuchtwiesenbestände. Inzwischen sind alle wichtigen Wiesenbereiche als Naturschutzgebiete oder nach EU-Recht als Flora-Fauna-Habitate (FFH-Gebiete) geschützt.

Lit.: Trentepohl, Martin: Die Vegetation schutzwürdiger Wiesen im Staatsforst Kranichstein ostwärts Darmstadt. Schriftenreihe Institut für Naturschutz, Darmstadt 1965.