Stadtlexikon Darmstadt

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Pflanzenwelt Darmstadts

Die Pflanzenwelt DAs genießt seit mehr als zwei Jahrhunderten die besondere Aufmerksamkeit von Liebhabern der heimischen Botanik. Eine erste noch unvollständige Bestandserfassung erfolgte durch Moriz Balthasar Borckhausen in seiner „Flora der oberen Grafschaft Catzenelnbogen“ aus dem Jahr 1795. Ihr folgten vollständige Floren von Georg Friedrich Schnittspahn (1865; ehemaliger Leiter des Botanischen Gartens; an der Schnittspahnstraße sind heute noch Botanischer Garten und Biologische Institute der TU Darmstadt) sowie Ludwig Dosch und Julius Scriba (1873-1888). Durch eine Kartierung wurden um 1990 der heutige Bestand der Pflanzenarten im Stadtgebiet festgestellt sowie die Veränderung der Pflanzenwelt ermittelt (Klaus-Dieter Jung, 1992). So konnten in DA inzwischen weit über 1.100 Arten höherer Pflanzen nachgewiesen werden – eine enorm große Anzahl, verglichen mit Städten wie beispielsweise Karlsruhe oder Köln. Die beiden wichtigsten Gründe für die sehr reiche und außergewöhnliche Flora DAs sind zum einen das Klima – DAs Lage im Oberrheingraben ist charakterisiert durch relativ hohe Jahresdurchschnittstemperaturen und niedrige Niederschlagsmengen – und zum anderen der Anteil des Stadtgebiets an verschiedenen Naturräumen mit unterschiedlichen geologischen Bedingungen. So bietet der Oberrheingraben mit seinen wasserdurchlässigen Flugsanden Standorte für wärmeliebende, Trockenheit ertragende Arten nährstoffarmer Böden. Hier gedeihen die markanten Kiefern-Eichenwälder, in waldfreien Bereichen auch Sandhalbtrockenrasen oder sogar Flugsanddünen. Das zur Bergstraße gehörige Eberstädter Becken mit nährstoffreicheren Sand- und Lößanteilen im Boden, typischerweise mit Streuobstwiesen und Magerrasen bestanden, vermittelt dagegen zu den aus Graniten entstandenen Lehmböden des Vorderen Odenwalds mit seinen Buchenwäldern. Schließlich bilden die Rotliegend-Schichten des Messeler Hügellands staunasse Böden, Grundlage für die ausgedehnten Eichen-Hainbuchenwälder und artenreichen Feuchtwiesen des Kranichsteiner Walds. Bedingt durch seine geografische Lage kommen im Stadtgebiet sowohl Arten mit Vorliebe für kontinental als auch für ozeanisch geprägtes Klima vor. Höhere Berge fehlen, entsprechend gehört die Vegetation überwiegend der kollinen bis submontanen Stufe an. Wie überall in Mitteleuropa ist die Pflanzenwelt auch in DA beeinflusst durch menschliche Maßnahmen: die Wälder sind forstlich überformt, intensive Landwirtschaft v. a. mit Spargelanbau lässt kaum Raum für wildwachsende Arten und durch Versiegelungen für den Städtebau sind weite Bereiche vegetationsfrei. Dennoch existieren immer noch weite naturnahe Bereiche, die es im Sinne des Natur- und Artenschutzes zu erhalten gilt.

Lit.: Jung, Klaus-Dieter: Flora des Stadtgebietes von Darmstadt, Darmstadt 1992.