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Esselborn, Karl (Sohn)
Foto: Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt

Bibliothekar, Heimatforscher
* 01.02.1879 Stuttgart
† 18.03.1940 Darmstadt
Karl Esselborn, der Sohn, wuchs in DA auf und besuchte das Ludwig-Georgs-Gymnasium. Nach dem Abitur studierte er in Heidelberg zunächst moderne Sprachen und Literatur, später jedoch Rechtswissenschaft; dieses Fach schloss er nach dem Wechsel nach Gießen mit der ersten juristischen Prüfung (1901) und mit einer Dissertation über die Ministerverantwortlichkeit im Großherzogtum Hessen (1902) ab. Nach einer Tätigkeit als Gerichtsassessor und nach Ableistung seiner Militärdienstpflicht als Einjährig-Freiwilliger beim Train-Bataillon 18 in DA trat er 1904 als Akzessist in die Großherzogliche Hofbibliothek ein, wo er 1905 zum Hilfsbibliothekar und 1912 zum Bibliothekar ernannt wurde. Esselborn nahm am Ersten Weltkrieg teil und brachte es als Offizier der Reserve bis zum Rittmeister. 1922 wurde er zum Professor ernannt und 1923 zum Dr. phil. an der Universität Gießen mit einer Arbeit über den Deutschkatholizismus in DA promoviert. Von 1935 bis zu seinem Tod 1940 schließlich war er Direktor der Hessischen Landesbibliothek (Universitäts- und Landesbibliothek).

Esselborn hat ein ungewöhnlich umfangreiches Werk als Heimatforscher, Herausgeber und Schriftsteller hinterlassen. Ein Großteil seiner Arbeiten galt der Geschichte Hessens und DAs. Als Herausgeber hat Esselborn sich mit besonderer Vorliebe Lebenserinnerungen, Tagebüchern und Reisebeschreibungen angenommen, die er mit Anmerkungen v. a. im biografischen Bereich versah. Seine biografische Kenntnis hessischer Persönlichkeiten war so groß, dass er von der Hessischen Historischen Kommission zum Mitherausgeber des Unternehmens „Hessische Biographien“ bestellt wurde. (3 Bde., erschienen 1918-34). Daneben war er ein Hauptförderer der von Wilhelm Diehl ins Leben gerufenen Reihe „Hessische Volksbücher“ (zahlreiche Bde., erschienen von 1908-38). Bekannte Einzelschriften Esselborns sind u. a. die Titel „Darmstädter Originale“ (1918), „Darmstadt in der Dichtung“ (1918), „Darmstädter Gärten“ (1935) und die von ihm herausgegebenen Bände „Hessen-Darmstadt. Ein Heimatbuch“ (1926) und „Unter der Diltheykastanie: Schulerinnerungen ehemaliger Darmstädter Gymnasiasten“ (1929).
Daneben hat Esselborn eine Fülle von Aufsätzen und Theaterkritiken veröffentlicht, die er selbst in 24, z. T. dickleibigen Bänden sammelte, die heute in der Universitäts- und Landesbibliothek aufbewahrt werden. Zu seinem 100. Geburtstag 1979 hat Friedrich Knöpp eine Reihe biografischer Arbeiten Esselborns unter dem Titel „Hessische Lebensläufe“ in einem stattlichen Band zusammengefasst. Esselborns selbstständige Schriften und die von ihm herausgegebenen Werke sind verzeichnet in: Deutsches Literatur-Lexikon, Bd. 4, 1972, Sp. 538-540. Esselborn war mit Helma Ebel (1870-1963) verheiratet, die als Verfasserin von Jugenderzählungen hervorgetreten ist. Esselborn wurde auf dem Alten Friedhof in DA bestattet. Die Esselbornstraße ist nach ihm benannt.

Lit.: Becker, Wilhelm Martin: Karl Esselborn. In: Historischer Verein für Hessen. Mitteilungsblätter, Bd. 1, 1937-1940, S. 373-376; Kempken, Werner: Esselborn-Bibliographie. Die Schriften des Darmstädter Bibliothekars, Historikers und Publizisten Karl Esselborn, T. 1: 1902-1924, Bensheim 1991.