Stadtlexikon Darmstadt

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Erdmann, Bruno
Foto: Pit Ludwig, Stadtarchiv Darmstadt

Maler
* 09.10.1915 Darmstadt
† 14.01.2003 Darmstadt
Bruno Erdmann entstammte einer Darmstädter Beamtenfamilie. Seit 1926 besuchte er das Realgymnasium in DA, ab 1931 begann väterlicherseits die Förderung der ersten künstlerischen Ambitionen. Nach dem Studium an der Städelschule bei Cissarz, Röhl und Delavilla 1933 bis 1937 wurde er zunächst zum Arbeitsdienst, 1938 als Funker zur Wehrmacht eingezogen. Es folgte die erste Tuberkulose-Erkrankung mit Kur in Rockenau/Eberbach. 1941 fand eine erste Einzelausstellung in der Darmstädter Bücherstube von Marianne D’Hooghe statt. Von 1943 bis 1944 arbeitete Erdmann als Theatermaler bei Max Fritzsche am Hessischen Landestheater DA. Eine erneute Tuberkulose-Erkrankung führte zu einer Befreiung vom Frontdienst und zu einer Überstellung in das „Deutsche Kriegerkurhaus“ nach Davos, wo er das Kriegsende erlebte und interniert wurde – 1945 in Finhaut/Kanton Wallis und 1946/47 in Zürich. Dort und in Luzern begegnete Erdmann der Kunst von Kokoschka, Matisse, Cézanne, Amiet, Bonnard und Marquet. In Zürich hörte er Vorlesungen des Kunsthistorikers Gotthard Jedlicka.

1951 kehrte Erdmann nach DA zurück, wo er zunächst als Kinoportier arbeitete und 1953 ein eigenes Atelier bezog. Ab 1955 lebte er hier als freier Künstler, und seit 1956 gehörte er als Mitglied der Neuen Darmstädter Sezession an. 1956 bis 1959 mehrere Studienaufenthalte in Paris und Auseinandersetzung mit den Werken von Braque, Utrillo und de Stael. 1960 heiratete Erdmann die Psychotherapeutin Zeyde-Margreth Meyer-Abich. Seit 1972 war er Mitglied des „Deutschen Künstlerbundes“. Erdmann erhielt 1975 die Johann-Heinrich-Merck-Ehrung der Stadt DA, 1981 den Villa-Romana-Preis mit zehnmonatigem Arbeitsaufenthalt in Florenz und 1994 den Kunstpreis der Stadt DA (seit 1995 Wilhelm-Loth-Preis). 2006 vermachte er ein Konvolut von 50 Werken der Städtischen Kunstsammlung DA. Bruno Erdmann liegt auf dem Alten Friedhof in DA begraben.

Erdmanns Schaffen durchläuft verschiedene Phasen: Nach Pariser Skizzen entstanden im Atelier menschenleere Stadtlandschaften (1956-58), die informellen Gemälde mit einer konstruktiven (1958-60) und einer gestischen Gruppe (1960-64) mit den „Nacht“-Bildern. Nach den gestisch-abstrakten Aquarellen und Aquarell-Collagen (1964-66) entstanden 1967 bis 1973 zahlreiche Japanpapier-Collagen. Erst 1973 begann Erdmann wieder zu malen, nun in Acryl. Seit Ende der 1970er Jahre erforschte er in Rechteckkompositionen sowie horizontalen (und wenigen vertikalen) Schichtungen in chromatischer Reduktion Themen wie Fläche und Raum, Rahmung und Gerahmtes, Licht und Stille.

Lit.: Bruno Erdmann. Ölbilder und Graphiken, Darmstädter Galerie Ludwig A. Bergsträsser, Darmstadt 1958; Bruno Erdmann. Collagen, hrsg. vom Kunstverein Darmstadt, Katalog Kunsthalle Darmstadt am Steubenplatz 1972; Bruno Erdmann. Malerei 1956-1986, hrsg. v. Magistrat der Stadt Darmstadt, Katalog Kunstverein Darmstadt, Darmstadt 1986; Vitt, Walter: Der Maler Bruno Erdmann, Köln 1986; Antonio Calderara, Bruno Erdmann, Katalog Kunsthandel und Galerie Michael, Darmstadt 1991; Bruno Erdmann. Aus vielen Schichten (Darmstädter Kunstedition Merck, Bd. 36), Darmstadt 1993; Bruno Erdmann. Malerei. Retrospektive 1951-1998, hrsg. v. Bettina John-Willeke, Katalog Institut Mathildenhöhe, Darmstadt 1998; Reising, Gert (Hg.): Farbe, Felder, Philosophie. Ein ästhetischer Dialog, München 2000; Andrea Edel: Erdmann, Bruno. In: Allgemeines Küstlerlexikon, Bd. 34, Leipzig 2002, S. 289.