Stadtlexikon Darmstadt

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Barocktheater, Höfisches

Die Vorgeschichte des Darmstädter Theaters reicht bis ins frühe 17. Jahrhundert zurück. Von reisenden Schauspielertruppen abgesehen, war aber das Theater mit Ritterspielen, Singballetten u. ä. Inventionen Angelegenheit des landgräflichen Hofs. 1683 wurde das Reithaus neben dem Herrngarten in ein Komödienhaus umgebaut, in dem der Hofkapellmeister Wolfgang Carl Briegel erstmals Opern auf die Darmstädter Bühne brachte. Eine kurze Blütezeit erlebte das Theater unter Landgraf Ernst Ludwig. Das Komödienhaus ließ er durch Louis Remy de la Fosse zu einem repräsentativen Opernhaus umbauen, das 1711 mit der Oper „Telemach“ des Hofkapellmeisters Christoph Graupner festlich eröffnet wurde. Den hohen Kosten war das kleine Land bald aber nicht mehr gewachsen. 1718 endete für fast ein halbes Jahrhundert jeglicher Theaterbetrieb in DA. Ab 1768 traten sporadisch im landgräflichen Opernhaus deutsche Schauspielergesellschaften auf, so die Truppe des Johann Martin Leppert (1768) und die des Theaterdirektors Nestrich (1777/78). Aus der ab 1807 in Gasthaussälen auftretenden Truppe des Prinzipals Xaver Krebs ging schließlich 1810 das Großherzogliche Hoftheater hervor. Die höfische Theatertradition wurde in den 1780er Jahren durch Erbprinz Ludwig (Ludewig I.) mit Liebhaberaufführungen der Hofgesellschaft neu belebt. Zur Hochzeit seiner Schwester Auguste Wilhelmine mit dem späteren König Max I. Joseph von Bayern ließ er im Opernhaus die Festoper „Richard Löwenherz“ von André Ernest Grétry aufführen, zu der Hofmaler Johann Joseph Laubacher prächtige Dekorationen schuf.

Lit.: Kaiser, Hermann: Barocktheater in Darmstadt, Darmstadt 1951.