Stadtlexikon Darmstadt

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Akaziengarten
Der Akaziengarten inmitten des Bessunger Kasernenviertels westlich der Heidelberger Straße, Ausschnitt aus dem Fleckenstein-Plan, 1901, Foto: Stadtarchiv Darmstadt

Der Garten zwischen Eschollbrücker Straße und Schepp-Allee wurde 1817, noch weit außerhalb der Stadt gelegen, auf Veranlassung Großherzog Ludewigs I. auf einem Grundstück, das seiner Schwiegertochter Erbprinzessin Wilhelmine gehörte, angelegt. Von einem achteckigen zentralen Platz aus liefen strahlenförmig acht Wege durch den Garten. Aufgrund des schlechten Sandbodens wurde er mit Akazien bepflanzt und erhielt daher seinen Namen. Angelegt wurde der Akaziengarten als Notstandsarbeit von Bedürftigen, die aufgrund der Missernten der Jahre 1816 und 1817 und der Not der Zeit nach den Napoleonischen Kriegen nicht genug zu essen hatten. Der Erdhügel in der Südostecke des Akaziengartens trug deshalb ursprünglich den Namen „Hungerberg“. Später hieß die mit Flieder besetzte Anhöhe Fliederberg. In der Mitte des Gartens stand ein Teehäuschen, an der Südostecke befand sich ein Bassin. Der Akaziengarten, in dem zeitweise Maulbeerbäume zur Förderung der Seidenraupenzucht kultiviert wurden, von denen einige heute noch stehen, war der Öffentlichkeit nicht zugänglich. Kurz vor dem Ersten Weltkrieg kaufte die Militärverwaltung den Akaziengarten und errichtete dort unter weitgehender Beibehaltung der Gartenanlage ein Garnisonslazarett, das 1915 fertig gestellt war und bis zur Teilzerstörung 1944 genutzt wurde. Aus dieser Zeit stammen vermutlich auch die unterirdischen Anlagen, die noch einer genaueren Untersuchung harren. In den wieder aufgebauten Lazarettgebäuden wurden nach 1945 staatliche Behörden untergebracht, z. B. Katasteramt und Landesrechnungshof, zum Teil auch Wohnungen. Außerdem hatte in einem 1978 abgerissenen Gebäude 1946 bis 1971 die Chemotechnische Fachschule ihren Sitz. Seit 1986 stehen Garten und Randbebauung als Ensemble unter Denkmalschutz. Der am Ostrand 2004 geplante Bau einiger mehrstöckiger Wohnhäuser ist durch eine Bürgerinitiative verhindert worden. In der Südwestecke ist allerdings ein Studentenwohnheim entstanden.

Lit.: 200 Jahre Großherzoglicher Akaziengarten Darmstadt, Festschrift, hrsg. ProAkaziengarten e.V.