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Deutscher Kunstrat

1954 in Köln gegründete Organisation zur Förderung kultureller Auslandsbeziehungen, die ihren Sitz von 1967 bis 1976 in DA hatte. Der nach einer Anregung des Bundespräsidenten Theodor Heuss ins Leben gerufene Deutsche Kunstrat arbeitete eng mit dem Auswärtigen Amt zusammen und veranstaltete für die BRD im Rahmen ihrer Kulturabkommen mit anderen Ländern Kunstausstellungen im In- und Ausland. Im Vorstand der Organisation saßen u. a. der ehemalige nordrheinwestfälische Kultusminister Paul Luchtenberg, der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelstags Ernst Georg Schneider sowie der Vizepräsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie Rolf Rodenstock. Die Geschäfte des Deutschen Kunstrats führte als Generalsekretär der Wirtschaftswissenschaftler und Völkerkundler Ernst Thiele. Im Zuge einer Neuordnung kulturpolitischer Zuständigkeiten unter der Regierung Willy Brandt wurden die Aufgaben des Kunstrats im Jahr 1970 an das Institut für Auslandsbeziehungen in Stuttgart übertragen. Die hierdurch bereits 1971 bedeutungslos gewordene Organisation gab ihre offizielle Auflösung jedoch erst 1976 bekannt. Der spätere Darmstädter OB Heinz Winfried Sabais pflegte als Kulturdezernent seit etwa 1955 ständigen Kontakt mit dem Deutschen Kunstrat, da er die vom ihm veranstalteten Ausstellungen auch nach DA holen wollte. Frucht dieser Zusammenarbeit waren die auf der Mathildenhöhe veranstalteten Ausstellungen Kunst aus Zentralafrika (1960), Kunst und Kultur der Hethiter (1961), 5000 Jahre Kunst in Pakistan (1962) und Norwegische Volkskunst (1963). Mit Unterstützung der Hessischen Landesregierung betrieb Sabais seit 1963 zudem die Verlegung des Deutschen Kunstrats von Köln nach DA, die allerdings erst 1967 zustande kommen konnte. Als Sitz des Deutschen Kunstrats stellte die Stadt DA Räume im hierfür restaurierten Glückert-Haus zur Verfügung. Der Deutsche Kunstrat vermochte allerdings kaum noch nennenswerte Aktivitäten von DA aus zu entfalten, zumal auch der Tod seines Generalsekretärs Thiele (März 1969) in das Jahr fiel, in dem auf politischer Ebene die Weichen gegen ein Fortbestehen des Deutschen Kunstrats gestellt wurden. Die gegenwärtig unter dem Titel „Deutscher Kunstrat“ bekannte Organisation ist eine Sektion des seit 1982 bestehenden Deutschen Kulturrats.