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Allgemeine Deutsche Kunstgenossenschaft (Ortsverein)
Exkursion der Allgemeinen Deutschen Kunstgenossenschaft nach Bad Wimpfen am Berg, 02.07.1911. Vorn links: Albert Hartmann, rechts: Heinrich Reinhard Kröh, 6. v. re.: Adolf Beyer, Foto: Stadtarchiv Darmstadt

Die Allgemeine Deutsche Kunstgenossenschaft wurde 1856 als reichsweit verbreitete Standes- oder Berufsvertretung der bildenden Künstler in Deutschland gegründet. Vor allem gegenüber den Behörden und politischen Instanzen sollte sie die kunstpolitischen und wirtschaftlichen Interessen der Künstlerschaft wahrnehmen. Als organisatorische Basis kannte die Allgemeine Deutsche Kunstgenossenschaft zahlreiche Ortsgruppen, die meist in Akademie- oder Landeshauptstädten bestanden. Den Vorstand der Kunstgenossenschaft stellten abwechselnd die Berliner oder die Münchner Ortsgruppe. Charakteristisch für die Allgemeine Deutsche Kunstgenossenschaft war ihr großdeutscher Anspruch, der auf die Integration der österreichischen Künstlerschaft abzielte, de facto aber hauptsächlich den Wiener Künstlern zugute kam. Regelmäßig stattfindende repräsentative Großausstellungen, wie etwa die 1909 in Wien ausgerichtete „Deutsch-Nationale Kunstausstellung“ bestätigten den hohen Organisationsgrad der Kunstgenossenschaft und animierten ihre Ortsgruppen zur Veranstaltung kleinerer Ausstellungen auf lokaler Ebene. 1909 hatte die Allgemeine Deutsche Kunstgenossenschaft bereits in 20 Städten Fuß gefasst. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs verlor sie zunehmend an Einfluss und ihre kunstpolitischen Funktionen gingen an zeitgemäßere Organisationen wie etwa den Reichswirtschaftsverband der bildenden Künstler über.

Der Darmstädter Ableger der Allgemeinen Deutschen Kunstgenossenschaft konstituierte sich 1861 und ist damit neben dem 1833/37 gegründeten Kunstverein die zweitälteste Darmstädter Vereinigung zur Förderung der bildenden Kunst. Unter den Gründungsmitgliedern findet man die prominentesten Namen der damaligen Darmstädter Kunstszene: Maler und Galerieinspektor Rudolf Hofmann, Stadtbaumeister Anton Louis, Hoftheatermaler August Schwedler, Bildhauer Johann Baptist Scholl d. J., Maler August Noack, Kupferstecher Georg Jakob Felsing sowie den Oberbaurat Friedrich Wilhelm Müller, der auch die Stelle eines Sekretärs der Allgemeinen Deutschen Kunstgenossenschaft bekleidete. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde die Allgemeine Deutsche Kunstgenossenschaft bereits von einer völlig neuen Künstlergeneration aus dem Umkreis der „Heimatkunst“ vertreten, darunter etwa die Maler Anton und Albert Hartmann, Heinrich Zernin, Heinrich Reinhard Kröh, Georg Altheim, Paul Rippert, Heinrich Getrost und Adolf Beyer, von den Darmstädter Bildhauern waren Robert Cauer und Heinrich Jobst der Allgemeinen Deutschen Kunstgenossenschaft beigetreten. Als ihr Vereinslokal hatte sich die Gruppe das Haus der Vereinigten Gesellschaft in der Neckarstraße (Kasino) auserkoren.

Seit den frühen 1920er Jahren fiel der Ortsverein der Kunstgenossenschaft zunehmend durch seine einseitige Parteinahme in künstlerischen und kunstpolitischen Streitfragen auf. Unter der Führung des Zeichenlehrers Heinrich Getrost und des Malers Adolf Beyer stellte er sich damals an die Spitze der reaktionären Kräfte, die kompromisslos gegen die unkonventionellen und fortschrittlichen Erscheinungen der zeitgenössischen Kunst angingen. Von dem zeitweiligen Darmstädter Kunstdezernenten August Buxbaum vorübergehend protegiert, konnte die Allgemeine Deutsche Kunstgenossenschaft 1925 auf der Mathildenhöhe die „Großdeutsche Kunstausstellung Darmstadt 1925“ veranstalten, die von der namhaften Kunstkritik unisono als Kampfansage „Ewiggestriger“ an den Modernismus der 1920er Jahre verstanden wurde. In den begleitenden Presseverlautbarungen zur Ausstellung wurde bereits frühzeitig deutlich, wie wenig Probleme der Kunstgenossenschaft einmal die Akzeptanz der Kunstpolitik des Nationalsozialismus bereiten werde.

Im Stadtarchiv DA hat sich das 1861 angelegte Vereinsalbum der Allgemeinen Deutschen Kunstgenossenschaft erhalten, als dessen Stifter der Darmstädter Landschaftsmaler und Kunstverleger Karl Christian Köhler überliefert ist. Das Album sollte ursprünglich der systematischen Dokumentation der Mitglieder der Allgemeinen Deutschen Kunstgenossenschaft dienen, wofür eine aktualisierte Reihe von Porträtaufnahmen aus der Hand des Fotografen Franz Backofen (Fotografie in DA) und eine Sammlung von Werkproben aller Mitglieder vorgesehen waren. Beide Reihen blieben Stückwerk und die Vervollständigung des Albums oblag alsbald dem Zufall und dem Gutdünken der Mitglieder. Bei der offiziellen Auflösung der Allgemeinen Deutschen Kunstgenossenschaft im Jahr 1937 hat Heinrich Zernin das Album dem Stadtmuseum übergeben und nicht, wie ursprünglich vorgesehen, dem Hessischen Landesmuseum.