Stadtlexikon Darmstadt

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Würth, Joseph
Foto: Stadtarchiv Darmstadt

Drucker, Verleger
* 17.03.1900 Darmstadt
12.10.1948 Darmstadt
Joseph Würth, von allen Freunden „Pepy“ genannt, war der Sohn des Regierungsrats Viktor Würth. Sehr früh zeigte sich seine künstlerische Begabung. Schon als Tertianer gab er in einem einzigen Exemplar eine handgeschriebene Zeitschrift „Die Kunstschau“ heraus. Auch andere Schüler des Ludwig-Georgs-Gymnasiums hatten ähnliche Zeitschriftenpläne, und so kam es im August 1915 zur Gründung der Dachstube. In Würths Händen lag die künstlerische Gestaltung und die praktische Ausführung der Zeitschrift. Er beteiligte sich schon mit 15 Jahren an Plakatwettbewerben und Preisausschreiben zur künstlerischen Gestaltung von Verpackungen und erhielt Auszeichnungen. Für den von ihm gegründeten „Verlag der Dachstube“ genügte ihm bald nicht mehr die einfache Vervielfältigungsmöglichkeit des Hektografierens, und so kaufte er sich eine Hebelarmpresse und einen Handsatz. Würth druckte Gedicht- und Prosabände seiner Freunde und Schulkollegen in der Reihe „Bücher der Dachstube“ und „Die kleine Republik“. Mitten in dieser Arbeit bestand er 1918 sein Abitur. 1918 bis 1920 studierte Würth in Frankfurt/Main Kunstgeschichte und gehörte 1919 zu den Gründungsmitgliedern der Darmstädter Sezession, für die er Kataloge und Prospekte druckte. 1921 bis 1923 gab er die Theaterzeitschrift „Das neue Forum“ heraus.

Ab 1927 führte er unter dem Namen „Darmstädter Verlag – Handpresse Joseph Würth“ ein eigenes Unternehmen. Es entstanden bibliophile Bücher, handgesetzt, handgedruckt und handgebunden. Die Illustrationen, die wichtiger Bestandteil seiner Bücher waren, kolorierte er meistens selbst. In seinem Verlag publizierten hauptsächlich die Autoren des Dachstuben-Kreises wie Kasimir Edschmid, Hans Schiebelhuth und Fritz Usinger, aber auch andere deutschsprachige Lyriker und Schriftsteller. In bibliophilen Sammlerkreisen, bei Verlagskollegen und Buchhändlern genoss Würth als Drucker-Verleger ein sehr großes Ansehen. Sein bedeutendstes Werk, „Carmina Burana“ von Carl Orff, lag versandfertig in seinem Lager, als in der Brandnacht 1944 seine Werkstatt in der Hoffmannstraße und damit sein gesamtes Hab und Gut vernichtet wurde. Von der „Carmina Burana“, deren Auflage durch Vorbestellung komplett ausverkauft war, ist kein einziges Exemplar übrig geblieben. Von 1944 bis 1946 lebte Würth mit seiner Frau Lotte in Ruhpolding. Zurückgekehrt nach DA begann er bis zu seinem frühen Tod erneut mit dem Druck schön gestalteter, bibliophiler Bücher und gab daneben in zwei Jahrgängen die Jugendzeitschrift „Helle Segel“ heraus. Seine Grabstätte befindet sich auf dem Darmstädter Waldfriedhof. 1956 wurde der Würthweg in DA nach ihm benannt.

Lit.: Der Darmstädter Verlag – Handpresse Joseph Würth. Ein Beitrag zur Verlagsgeschichte und Buchkunst in Darmstadt 1927-1948, Darmstadt 1980.