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Weismantel, Leo

Schriftsteller
* 10.06.1888 Obersinn/Rhön
† 16.09.1964 Rodalben/Pfalz
Von 1908 bis 1915 studierte Leo Weismantel an der Universität Würzburg, wo er zum Dr. phil. promoviert wurde. Bis 1919 war er Lehrer an einer privaten Handels- und Realschule in Würzburg. 1917 veröffentlichte er seinen ersten Roman „Mari Madlen“, 1920 übersiedelte er nach Marktbreit/Main, wo er neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit in der Erwachsenenbildung arbeitete; 1921 wurde sein Bühnenspiel „Totentanz 1921“ in Nürnberg und Bonn uraufgeführt (später ins Japanische übersetzt auch in Tokio aufgeführt). 1924 bis 1928 war er ohne Parteizugehörigkeit Abgeordneter der Christlich-Sozialen Volkspartei im Bayerischen Landtag und engagierte sich besonders in der Bildungs- und Kulturpolitik. Er gründete 1928 in Marktbreit ein Lehr- und Forschungsinstitut zur Erneuerung des Schulwesens, das 1936 von den Nationalsozialisten geschlossen wurde. Weismantel übersiedelte nach Würzburg und verfasste zahlreiche religiöse Schriften und Künstlerbiografien bis zum Publikationsverbot 1942; er selbst wurde 1939 und 1944 verhaftet.

Nach dem Krieg war Weismantel zunächst bis 1947 Schulrat im Kreis Gemünden/Main, von 1947 bis 1951 Leiter des Pädagogischen Instituts in Fulda mit einer Professur für Kunsterziehung und Deutsch. 1949 bis 1954 war er Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, 1950 Mitglied des P.E.N.-Zentrums der Bundesrepublik und 1953 Mitinitiator des Wartburgkreises christlicher Schriftsteller und nahm teil an der „Deutschen Begegnung“ in Berlin/Ost. Weismantel war stark engagiert in der Gegnerschaft zur Wiederaufrüstung, gegen atomare Bewaffnung und für Verständigung mit den Kommunisten. 1958 erhielt er die Willibald-Pirkheimer-Medaille, 1963 die Ehrendoktorwürde der Humboldt-Universität in Berlin/Ost, die Carl-von-Ossietzky-Medaille und die Max-Dauthendey-Plakette. Eine 1963 erstellte Bibliografie führt 120 Titel auf. Seine christliche, radikaldemokratische und pazifistische Haltung sowie die Bereitschaft, mit Kommunisten zusammenzuarbeiten, führten von 1950 an zu einer immer stärker werdenden Isolierung.

Lit.: Klönne, Arno / Wagner, Wolfram / Weismantel, Gertrud (Hrsg.): Aber die Schleichenden, die mag Gott nicht. Der Dichter und Volkserzieher Leo Weismantel. Festschrift zum 100. Geburtstag, Frankfurt/Main u. a. 1988.