Die Starkenburger Milchliefervereinigung war eine 1928 gegründete Genossenschaft von Landwirten aus dem südlichen Hessen, die sich zusammenschlossen, um gemeinsam ihre Milch vermarkten zu können. Dazu gehörten auch Milchverkäufer und Molkereien. Die Genossenschaft benannte sich nach der südlichen Provinz des Großherzogtums „Starkenburg“. Nach 1933 verfügten die Nationalsozialisten die Zwangserfassung aller Milcherzeuger in Milchabsatzgenossenschaften. Da die Milchmenge immer weiter anstieg, mussten neue Gebäude errichtet werden. So errichtete die Starkenburger Milchliefervereinigung an der Erbacher Straße neben der Hofmeierei eine neue Verarbeitungsstätte, die im November 1937 in Betrieb ging. 1938 waren 68 Absatzgenossenschaften angeschlossen. Der Bauplatz wurde mit Bedacht gewählt, lag er doch unweit des Ostbahnhofs und an der Hauptverkehrsstraße aus dem Odenwald, wo ein großer Teil der Milch herkam. Die Kapazität des Betriebs betrug 45.000 Liter täglich, von denen etwa die Hälfte als Trinkmilch verkauft und die Hälfte zu Butter, Sahne, Quark, Käse und Buttermilch verarbeitet wurde. Im Keller gab es den damals bereits obligatorischen Luftschutzkeller.
Nachdem die Gebäude im Zweiten Weltkrieg unzerstört blieben, wurde der Betrieb in der Nachkriegszeit wegen der erhöhten Milchanlieferung sukzessive erweitert, Mitte der 1970er Jahren wurden von etwa 1.200 Erzeugern täglich etwa 110.000 Liter Milch angeliefert. Zum Angebot gehörten jetzt auch Joghurt verschiedener Geschmacksrichtungen und Kakao. Der Milchverbrauch ging jedoch seitdem mehr und mehr zurück. Im Juni 1994 stellte die Starkenburger Milchliefervereinigung als letzte große Molkerei Südhessens ihren Betrieb endgültig ein, schon damals gab es Pläne das Gelände zu bebauen. 2007 wurden die Gebäude schließlich abgerissen und im Rahmen der Erschließung des Edelsteinviertels mit Wohnhäusern bebaut.