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Radrennbahn

Am 22.07.1894 eröffnete der 1885 gegründete Darmstädter Radfahrerverein an der Heidelberger Straße eine 500-Meter-Radrennbahn mit einer 8 Meter breiten Fahrbahn aus Beton, die 1911 vom Velocipedclub übernommen wurde. Vor dem Ersten Weltkrieg wurden hier regelmäßig Radrennen ausgetragen, bei denen häufig die Mitglieder der fahrradbegeisterten Familie Opel aus Rüsselsheim den Sieg davontrugen. Nachdem im Ersten Weltkrieg das Radfahren wegen des Fehlens von Gummireifen kaum möglich war, wurde die Radrennbahn 1919 auf Beschluss der Stadt DA eingeebnet, um anderen Sportarten Raum zu geben. U. a. trug der SV Darmstadt 98 hier seine Spiele aus. Der Radsport verlagerte sich auf die Straße (Sport in DA). Erst nachdem die Darmstädter Radfahrvereine ab 1938 in der Gemeinschaft für Leibesübungen zwangsvereinigt waren, wurde die Radrennbahn 1940/41 als 400-Meter-Bahn wieder aufgebaut. Die ersten Rennen nach Kriegsende wurden dort im Mai 1947 ausgetragen; dazu gehörten auch Steherrennen hinter Schrittmachermaschinen. 1949 erfolgte eine Renovierung, die Kurven versah man mit Zementbelag und verbreiterte die Bahn, bereits 1952 war eine erneute Sanierung nötig. Die Bahn wurde jetzt vollständig mit Zement belegt. 1953 wurde im Innenraum erstmals ein Rasenradballspiel ausgetragen. In den letzten Jahrzehnten wurde die Radrennbahn zum Training und für Rekordversuche genutzt. Im Zuge der Errichtung des Landes-Leistungszentrums Radsport wurde die Radrennbahn – die einzige in Hessen – 2007 abgerissen und an alter Stelle neu erbaut. Seitdem finden hier nationale und internationale Rennveranstaltungen statt, gelegentlich auch noch nostalgische Steherrennen.

Lit.: Weis, Dennis: Die Sportgeschichte von Darmstadt. Versuch eines sporthistorischen Reiseführers, Diplomarbeit, Köln 2005, S. 131-138; 100 Jahre Velocipedclub Darmstadt 1899. Festschrift, Darmstadt 1999.