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Pringsheim, Lily

(geb. Chun)
Schriftstellerin, Politikerin
* 07.02.1887 Königsberg
† 28.09.1954 Darmstadt
Die Enkelin des Paulskirchen-Parlamentariers und Materialisten Carl Vogt wurde schon als 16-Jährige „wegen ausgeprägter Eigenwilligkeit“ aus dem Lyzeum entlassen. Mit 19 Jahren heiratete sie den
Botaniker Ernst Pringsheim (1881-1970) und brachte fünf Kinder zur Welt. Nach der Scheidung zog sie 1922 mit den Kindern nach DA und verdiente ihren Lebensunterhalt mit dem Schreiben von Kurzgeschichten, Romanen und Theaterkritiken. Als Abgeordnete der SPD war sie zwischen 1931 und 1933 Mitglied des Hessischen Landtags und arbeitete in vielen Ausschüssen mit. Als Erste unterzeichnete sie den Antrag auf eine „Milderung der Strafbestimmungen des § 218“ in Hessen. Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten gelang ihr kurz vor dem Zugriff der Gestapo die Flucht nach Prag. Von 1941 bis 1950 lebte sie im Exil in den USA, wo sie in der Socialist Party eine gefragte Rednerin war. 1950 kehrte sie nach DA zurück, wohnte in einer kleinen Dachwohnung am Luisenplatz, gab Kurse an der Volkshochschule und hielt Vorträge. 2002 wurde der Lily-Pringsheim-Weg in Arheilgen nach ihr benannt.

Lit.: Langer, Ingrid: Zwölf vergessene Frauen. Die weiblichen Abgeordneten im Parlament des Volksstaates Hessen. Ihre politische Arbeit – ihr Alltag – ihr Leben, Frankfurt/Main 1989, S. 100-165; Rack, Klaus-Dieter / Vielsmeier, Bernd (Hrsg.): Hessische Abgeordnete 1820-1933. Biografische Nachweise für die Erste und Zweite Kammer der Landstände des Großherzogtums Hessen 1820-1918 und den Landtag des Volksstaats Hessen 1919-1933, Darmstadt 2008, S. 708.