Stadtlexikon Darmstadt

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Kaiser, Petrus Leopold

Kath. Pfarrer, Geistl. Rat, Bischof
* 03.11.1788 Mühlheim/Main
† 30.12.1848 Mainz
Das Leben des dritten Pfarrers von St. Ludwig, Petrus Leopold Kaiser, umfasst den durch
dauernde Reformen und wiederholte Revolutionen geprägten Zeitraum zwischen der Französischen Revolution und der ganz Europa betreffenden Revolution von 1848/49. Nach dem Theologiestudium an der 1808 neu gegründeten Karls-Universität in Aschaffenburg wurde er 1812 zum Priester geweiht. Seit 1817 Pfarrer in Gießen, kam er als Referent für die kath. Schulen und Mitglied des oberhessischen Kirchen- und Schulrats erstmals an die Schnittstelle zwischen kirchlicher und staatlicher Administration. Nach weiteren Stationen als Pfarrer in Gernsheim und Heppenheim und als Mitglied des Starkenburger Kirchen- und Schulrats übernahm Kaiser am 12.01.1830 die Stelle des kath. Stadtpfarrers von St. Ludwig in DA. Seine Kompetenz in Schulfragen legte 1832 eine Berufung zum Oberschulrat des Großherzogtums Hessen nahe. Bei deutlicher Vertretung kath. Interessen blieb seine Grundhaltung gegenüber der ev. Kirche und dem Staat konstruktiv. Für die dauerhafte Konsolidierung der Katholiken nützlich war, dass die mit Erbgroßherzog Ludwig III. verheiratete kath. Prinzessin Mathilde von Bayern regelmäßig den Gottesdienst in St. Ludwig besuchte und in Kaiser ihren Beichtvater fand. Am 30.06.1835 zum Bischof geweiht, verfolgte Kaiser pragmatisch und beharrlich das Ziel einer Verankerung der kath. Kirche im protestantischen Großherzogtum, z. B. durch einen staatlich nicht zensierten Religionsunterricht. Bei aller Konsensfähigkeit machte sich Petrus Leopold Kaiser niemals mit der konservativen, nach 1830 durchaus reaktionären Staatsmacht gemein, fiel ihr jedoch auch nicht in den Rücken.

Lit.: Schlupp, Klaus: Kaiser, Petrus Leopold. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, Bd. 32 (2004), Sp. 763-768; Weller, Josef Günter: Bischof Leopold Kaiser - Der Weg der katholischen Kirche im Großherzogtum Hessen-Darmstadt aus der Subordination bis zum Durchbruch eines strengkirchlichen Katholizismus, (Diss. Mainz), Bamberg 1970.