Stadtlexikon Darmstadt

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Guther, Max

Architekt
* 12.02.1909 Neu-Ulm
† 19.06.1991 Darmstadt
Max Rudolf Guther wurde 1909 als Sohn des Kohlehändlers Michael Guther und dessen Ehefrau Barbara geb. Stetter in Neu-Ulm geboren. Er besuchte das Realgymnasium und machte 1928 das Abitur. Anschließend begann er ein Architekturstudium an der TH Stuttgart. Seine Lehrer waren Paul Bonatz, Paul Schmitthenner, Ernst Robert Fiechter und Heinz Wetzel. Seine betont demokratische Einstellung zwang ihn, 1933 sein Studium zu unterbrechen. Er wechselte als angestellter Architekt ins Elsass und machte sich 1934 in Hamburg selbständig. In diese Zeit fallen Arbeiten im Bereich des Wohnungsbaus, die Errichtung von Krankenhäusern und die Mitwirkung bei der Stadtplanung. 1937/38 arbeitete er im Büro von Konstanty Gutschow (1902-1978) und sammelte Berufserfahrung als Städtebauer. 1938 ließ er sich als Architekt in Schwerin, Mecklenburg, nieder. Von 1940 bis Juli 1945 war er Soldat bei der Marineartillerie.

Als viele zerstörte Städte nach Kriegsende Probleme des Wiederaufbaus bewältigen mussten, war sein Rat besonders gefragt: Von 1945 bis 1947 war er Stadtbaurat in Wismar und Dozent an der dortigen Staatlichen Bauschule. Im April 1947 ging Guther auf Ersuchen von Oberbürgermeister Robert Scholl als Stadtbaurat nach Ulm. Hier setzte er wichtige Impulse beim teils heftig umstrittenen Wiederaufbau der zerstörten Ulmer Innenstadt, dem Aufbau einer neuen Verkehrsinfrastruktur sowie der Ausweisung neuer Wohn- und Industriegebiete. Er sammelte dabei intensive kommunalpolitische Erfahrungen, die seinen weiteren beruflichen Weg beeinflussten. Im Herbst 1954 wurde Guther als Nachfolger von Karl Gruber zum o. Professor für Städtebau, Siedlungswesen und Entwerfen an die TH Darmstadt berufen. Im Zusammenhang mit der Ablehnung eines Rufs an die TH München im Jahre 1960 wurde an der TH Darmstadt schließlich 1965 ein Institut für Städtebau und Siedlungswesen unter seiner Leitung errichtet, in dem alle für die Planung relevanten Disziplinen vom Bauingenieurwesen bis zur Soziologie zusammenarbeiteten. Das von ihm bereits in den 1950er Jahren initiierte „Städtebauliche Colloquium“ wurde zu einem interdisziplinären Diskussionsforum von Forschung, Praxis und Politik. Es lag ihm als Ort der Diskussion und Begegnung zwischen Studierenden, Planern und Sozialwissenschaftlern besonders am Herzen. Zu einem sehr frühen Zeitpunkt hat Guther damit dem „projektorientierten Lernen“ einen hohen Stellenwert beigemessen. Er machte aus dem Colloquium ein weithin beachtetes Instrument der lebendigen Auseinandersetzung mit aktuellen Fragen der Stadtplanung.

Neben und nach seiner Lehrtätigkeit war Guther ein national und international viel gefragter stadtplanerischer Berater, der sowohl als Teilnehmer als auch als Jury-Mitglied vieler Wettbewerbe die Ausführung mehrerer umfangreicher Stadterweiterungsprojekte prägte (Bahir Dar in Äthiopien, Aschaffenburg, Düsseldorf-Garath, Leverkusen-Steinbüchel, Koblenz-Karthause, Bonn-Tannenbusch-Buschdorf). Guther hat sich auch in die städtebauliche Entwicklungsdiskussion in DA häufig eingebracht. Dies gilt z. B. für die Entwicklung des Neubaugebiets Kranichstein (Mitte der 1960er Jahre). Auch gehörte er Anfang der 1970er Jahre dem Gründungsausschuss des Instituts Wohnen und Umwelt an. Ebenso war er im Juni 1971 bei der Gründung der Sektion Stadtsoziologie der Deutschen Gesellschaft für Soziologie beteiligt. Bis zu seiner Emeritierung im März 1974 hat Guther Generationen von Studierenden mit seiner Begeisterung für den Städtebau angesteckt.

Guther unterstützte zeitweise die Forderung nach einer Drittelparität von Professoren, Assistenten und Studierenden im Großen Senat der TH Darmstadt. Als Mitglied eines dreiköpfigen Direktoriums hat Guther neben dem Soziologen Manfred Teschner und dem Physiker Friedrich Beck 1969/70 die TH Darmstadt geschickt und fair auch gegenüber den berechtigten Interessen der Studierenden durch diese politisch besonders turbulente Zeit geführt. Guther war Mitglied des BDA und der Deutschen Akademie für Städtebau und Landesplanung des Deutschen Werkbundes. Von 1971 bis 1991 war er Mitglied der Akademie der Künste, Sektion Baukunst in Berlin (West). Für seine Verdienste erhielt er zahlreiche Ehrungen: 1974 die Johann-Heinrich-Merck-Ehrung der Stadt DA, 1975 das Große Bundesverdienstkreuz und 1982 die Ehrendoktorwürde der TU München. Max Guthers Grabstätte befindet sich auf dem Alten Friedhof in DA.