Stadtlexikon Darmstadt

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Tierwelt Darmstadts
Männchen der Röhrenspinne „Eresus Niger“, Foto: Hanns Feustel, Darmstadt

Über die Darmstädter Tierwelt gibt es kein alle Tiergruppen umfassendes Werk. Viele Tiere sind nur klein oder führen ein unauffälliges, verborgenes Leben. Vor allem ist es aber die große Artenfülle der Wirbellosen (besonders der Insekten), die eine vollständige Erfassung erschwert. Es gibt im Raum DA allein 1.500 Käferarten, mehr als alle einheimischen höheren Pflanzen zusammen! Für den Artenreichtum der Tiere in DA gelten die gleichen im Beitrag von Klaus-Dieter Jung für die Pflanzenwelt genannten Gründe: die Vielfalt an klimatisch, geologisch oder auch vom Menschen unterschiedlich geprägten Lebensräumen. Wahre Tierparadiese, auch für seltene Arten, sind die Flugsanddünen im Westen der Stadt, die Lösshänge und Streuobstwiesen an der Bergstraße, der Ostwald mit seinem unterschiedlichen Baumbestand, darunter mächtige Eichen, Rotbuchen und Totholz, und die z. T. unter Schutz stehenden Feuchtgebiete der Darmbachaue, der Scheftheimer und der Silzwiesen. Sowohl wärmeliebende südeuropäische (mediterrane) und südosteuropäische (pontische) als auch ozeanisches (atlantische) und kontinentales Klima bevorzugende (eurasische) Arten finden geeignete Lebensbedingungen.

Walker, Foto: Hanns Feustel, Darmstadt

1976 veröffentlichten Hanns Feustel und Georg Scheer einen Beitrag über die Tierwelt des Naturparks Bergstraße-Odenwald, in dem auch DA mit einbezogen war. Auch wenn sich in den fast 30 vergangenen Jahren im Hinblick auf das Vorkommen mancher Tierart Veränderungen ergeben haben, sind die Ergebnisse für die heutige Beurteilung der Darmstädter Tierwelt sehr hilfreich. Eine erhebliche Erweiterung der Kenntnisse über die Fauna DAs brachten Arbeiten von Klaus Groh (1983). Im Rahmen der Erfassung faunistischer Daten aus geschützten und schutzwürdigen Gebieten des Stadtkreises wurden zahlreiche Publikationen, Auskünfte von Faunisten, Zoologen und eigene Erhebungen ausgewertet. Sie ergaben eine Liste von 2.300 Tierarten, aus der die geschützten und / oder nach den Roten Listen bestandsgefährdeten Arten publiziert wurden. Erfasst wurden Vögel (120), Kriechtiere (4), Lurche (12), Weichtiere (94), Geradflügler (30), Ameisen (38), Käfer (1500), Tagfalter (60) und Nachtfalter (400); die Zahlen in Klammern geben die ungefähre Anzahl der für DA ermittelten Arten an. Allein bei den einheimischen Wirbeltieren können fast 200 Arten angenommen werden, wenn man die Säugetiere (44) und Fische (15) noch hinzuzählt. In der Zoologischen Abteilung des Hessischen Landesmuseums befinden sich verschiedene lokale Belegsammlungen. (Abb.) Ein seltenes Tier der warmen Sanddünen ist die mediterrane Röhrenspinne Eresus niger. Beachtung finden auch immer wieder Funde von Hirschkäfern, Nashornkäfern und Walkern. Wiederholt werfen Massenvorkommen des Waldmaikäfers im Westwald große Probleme für den Forst auf. Immer häufiger brüten Graugänse an den Teichen im Osten der Stadt.

Wie Eingriffe des Menschen zur Faunenveränderung beitragen, zeigt das Beispiel der Dohle. Mit der „Sanierung“ der Platanen und dem Kurzscheren des Rasens im Herrngarten verloren die Dohlen ihre Bruthöhlen und Nahrungsgrundlage für die Jungenaufzucht. Seit über 30 Jahren gibt es in DA keine Dohlen mehr, dafür infolge unsinniger Fütterung umso mehr Stadttauben. Haus- und Dachsanierungen und die Anwendung von giftigen Holzschutzmitteln haben zum Rückgang der Fledermaus- und Mauerseglerbestände beigetragen. Gerold Herzig hat 1995 noch 11 Fledermausarten nachgewiesen. Beim Wiederaufbau des Alten Pädagogs wurden zur Förderung des Mauerseglers Bruthöhlensteine in die Wände eingebaut. Der Schutz der vielfältigen, abwechslungsreichen Natur in und um DA sollte uns alle Anstrengungen wert sein!

Lit.: Dressler, Armin: Grabwespen, Wegwespen und solitäre Faltenwespen (Hymenoptera: Sphecidae, Pompilidae, Eumenidae) der Gemarkung Darmstadt-Eberstadt und angrenzender Gebiete. In: Hessische Faunistische Briefe 19, 2000, S. 28-38;  Feustel, Hanns / Scheer, Georg: Die Tierwelt des Naturparks Bergstraße-Odenwald. In: Bericht 1973-1975 des Naturwissenschaftlichen Vereins Darmstadt, 1976, S. 39-65; Groh, Klaus: Aktualisierte Liste geschützter und gefährdeter Tierarten des Stadtkreises Darmstadt und Bibliographie von Arbeiten zur Fauna des Stadtkreises Darmstadt. In: Bericht NF 7 Naturwissenschaftlicher Verein Darmstadt, 1983, S. 69-99; Herzig, Gerold: Fledermauserfassung im Stadtgebiet Darmstadt 1995, Stockstadt/Rhein; Feustel, Hanns: Gefleckte Weinbergschnecke (Helix aspersa Cornu aspersum) und Amerikanische Zapfenwanze (Leptoglossus occidentalis) – Zwei zoologische „Neubürger“ in Darmstadt. In: Bericht NF 32/33 Naturwissenschaftlicher verein Darmstadt 2010, S. 193-196.