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Teiche in Kranichstein

Mitten in Kranichstein befinden sich heute noch vier große Teiche: Brentanosee, Kästnersee, Heiligenteich und Backhausteich. Der Brentanosee (benannt nach Heinrich von Brentano) wurde 1964 als Rückhaltebecken des Ruthsenbachs angelegt, war aber schon im Mittelalter unter dem Namen „Oberster Arheilger Woog“ bekannt. Es handelte sich um eine natürliche Wasseransammlung in einer Wiesensenke, die im Sommer austrocknete. Die Grafen von Katzenelnbogen nutzten die natürlichen Gewässer zur Fischzucht. Seit der Anlage einer Schafzucht im benachbarten Kranichsteiner Hofgut unter Georg I. spielte das Wasser des Brentanosees auch für die Schäferei eine wichtige Rolle. Später hieß er „Amosenteich“, nach seinem Besitzer, dem Kranichsteiner Ziegler Amos Schneider. 1895 ging der Teich an das Hofgut Kranichstein über und wurde später abgelassen, um als Wiese besseren Ertrag zu bringen, bis er 1964 als Rückhaltebecken dauerhaft angelegt wurde. Auch der Kästnersee (nach Erich Kästner benannt) war Anfang der 1970er Jahre als Rückhaltebecken für den Ruthsenbach angelegt worden.

Der Heiligenteich, an der Parkstraße beim Jägerhof gelegen, ist hingegen wesentlich älter. Georg I. ließ ihn auf der so genannten „Heilgen Wiese“ (vermutlich früher im Besitz einer geistlichen Institution) ausheben, die er 1573 gekauft hatte und auf der er zeitgleich mit der Anlegung des Schlossteichs einen Teich für die Karpfenzucht anlegen ließ. Weil der Teich wenig Durchfluss hatte, versumpfte er schnell. Als der Fischtransport aus dem Rhein von Gernsheim billiger war als die eigene Zucht, wurde der Teich 1816 abgelassen und als Wiese an das Hofgut verpachtet. Der Ertrag der Wiese war jedoch gering, sodass der Teich Ende des 19. Jahrhunderts von Gutsverwalter Georg Baumann wieder unter Wasser gesetzt wurde, um der winterlichen Eisgewinnung für die Darmstädter Brauereien zu dienen. Nach ihm hieß der Teich „Baumannsteich“, bis man den Teich wieder mit dem historischen richtigen Namen benannte.

Den Schlossteich legte Georg I. an, nachdem er 1572 Jagdschloss Kranichstein erworben hatte. Dort bestand bereits ein Weiher, den der Landgraf mit der Hilfe von Teichgräbern vergrößern ließ. Der Teichboden wurde absichtlich als schiefe Ebene angelegt, an deren tiefstem Punkt ein Abfluss mit Sperre vorhanden war. Im Abstand von drei bis fünf Jahren wurde der Teich abgefischt, indem das Wasser vollständig abgelassen wurde. Der Fischertrag war nicht so hoch wie erwartet. Man nutzte den Teich aber auch zum Entenfang und zu repräsentativen Zwecken, weshalb er nicht trockengelegt wurde. 1835 wurde der heutige Rundweg um den Teich angelegt. Er ist ebenfalls als „Backhausteich“ bekannt, weil das Schlossbackhaus einst zwischen Teich und Schlosshof lag.

Lit.: Andres, Wilhelm / Stumme, Hermann: Kranichstein. Geschichte eines Stadtteils, Darmstadt 1993, S. 27-39.