Stadtlexikon Darmstadt

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Stadtkämmerer

Politischer Gemeindebeamter, der das gesamte Finanzwesen einer Stadt verwaltet. Bis zum Erlass der Deutschen Gemeindeordnung von 1935 hatte die Zuständigkeit eines Stadtkämmerers traditionellerweise bei den Bürgermeistern gelegen, die darin von einem untergeordneten Beamten wie dem Stadtrechner oder Acciser unterstützt wurden (Stadtverwaltung). Erst seit der Verabschiedung der neuen Reichsgemeindeordnung mussten größere Gemeinden für die Verwaltung des Geldwesens einen eigenen Beigeordneten mit der Bezeichnung „Stadtkämmerer“ bestellen, der den übrigen Beigeordneten oder Stadträten rangmäßig gleichgestellt war. Hinter der Einführung des neuen Amts stand unausgesprochen die Forderung nach der Besetzung mit einem linientreuen Haushalts- und Wirtschaftsexperten, der sich für die Anpassung des Stadtetats an die Erfordernisse der nationalsozialistischen Wehrwirtschaft engagieren würde. Nach den hierzu bekannt gemachten Vorgaben des Innenministeriums sollten sich nämlich die Städte entschulden, um den Reichshaushalt im Sozial- und Kulturbereich entlasten zu können. Erster Darmstädter Stadtkämmerer war Aloys Fink (seit 21.04.1937), dem freilich unter den im nationalsozialistischen Führerstaat herrschenden Verhältnissen die demokratische Legitimation fehlte: Er wurde auf Vorschlag des Beauftragten der NSDAP, d. h. Gauleiter Jakob Sprengers, von OB Otto Christoph Wamboldt ernannt. Fink konnte sein neues Amt allerdings nur knapp zwei Jahre ausfüllen, denn mit Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde er als Stabsintendant zur Reichswehr einberufen. Als Stadtkämmerer fungierte in dieser Zeit stellvertretend OB Wamboldt.

Nach der heute gültigen Hessischen Gemeindeordnung wird der Stadtkämmerer als hauptamtlicher Beigeordneter auf sechs Jahre von der Stadtverordnetenversammlung gewählt, seine Wiederwahl ist möglich. Seit 1945 waren bislang acht Stadtkämmerer im Amt, mit einer deutlich erkennbaren Tendenz zu kürzeren Dienstzeiten in der jüngeren Vergangenheit, die wohl auch der zunehmenden politischen Brisanz der Stellung in Zeiten schwindender finanzieller Ressourcen geschuldet ist: Wilhelm Lucius (1945-46), Gustav Feick (1946-56), Joachim Borsdorff (1956-70), Paul Ehrig (1970-76), Otto Blöcker (1976-95), Cornelia Diekmann (1995-2001), Gerd Grünewaldt (2001-03), Wolfgang Glenz (2003-11) und André Schellenberg (seit 2011).