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Niemöller, Martin

Ev. Theologe, Kirchenpräsident der EKHN
* 14.01.1892 Lippstadt
† 06.03.1984 Wiesbaden
Martin Niemöller schlug zunächst die Seeoffizierslaufbahn ein, zuletzt war er bis 1919 U-Boot-Kommandant. Nach dem Theologiestudium in Münster arbeitete er dort in der Inneren Mission. Als Gemeindepfarrer in Berlin-Dahlem seit 1933 in führender Rolle für die Bekennende Kirche tätig, wurde Niemöller 1937 verhaftet und später als persönlicher Gefangener Hitlers in die KZs Sachsenhausen und Dachau verbracht. Nach der Befreiung durch die Amerikaner kam Niemöller nach Hessen, wurde 1945 zum stellvertretenden Ratsvorsitzenden der EKiD (bis 1949) und Leiter des kirchlichen Außenamts der EKiD (bis 1956) mit Sitz anfänglich in Isenburg, später in Frankfurt/Main. 1946 fand Niemöller Aufnahme in den nassau-hessischen Landesbruderrat und beeinflusste die Gestaltung der EKHN grundlegend. 1947 in Friedberg wurde er zum Kirchenpräsidenten (Wiederwahlen 1950 und 1958) gewählt. Niemöller wirkte maßgeblich bei der Entstehung der Stuttgarter Schulderklärung 1945 und des Darmstädter Worts 1947 mit. Schwerpunkt seiner Arbeit war u. a. die konsequente Verständigung mit den ehemaligen Kriegsgegnern Deutschlands in West und Ost; so reiste er u. a. im Januar 1952 nach Moskau. Nach Zusammenführung der verschiedenen Dienststellen der Kirchenverwaltung wurde DA sein Dienstsitz; er blieb jedoch in Wiesbaden wohnen. Von 1962 bis 1968 fungierte Niemöller als einer der Präsidenten des Ökumenischen Rats. 1964 schied er als Kirchenpräsident aus dem Amt, sein Nachfolger wurde sein Stellvertreter (seit 1957) Wolfgang Sucker. Aus seiner Grundüberzeugung zur Bewahrung der Schöpfung engagierte Niemöller sich bei Ostermärschen gegen die Atomrüstung und in der Friedensbewegung. Niemöller war Träger zahlreicher Orden und Ehrendoktorate, u. a. des Lenin-Ordens und des Bundesverdienstkreuzes am Bande.

Lit.: Protestant: das Jahrhundert des Pastors Martin Niemöller, hrsg. v. Hannes Karnick und Wolfgang Richter im Auftrag der EKHN, Frankfurt/Main 1992.