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Langgässer, Elisabeth

Schriftstellerin
* 23.02.1899 Alzey
† 25.07.1950 Karlsruhe
Elisabeth Langgässer kam 1909 nach DA und besuchte die Viktoriaschule und das Lehrerinnenseminar. Von 1920 bis 1928 war sie als Lehrerin in Griesheim tätig. Ende 1928 musste sie wegen der unehelichen Tochter Cordelia (* 01.01.1929) den Schuldienst verlassen und ging nach Berlin, wo sie als freie Schriftstellerin lebte. Schon früh schrieb Langgässer für das Feuilleton verschiedener Zeitungen, u. a. der „Rhein-Mainischen Volkszeitung“. 1924 erschien ihr erstes Buch, der Kirchenjahrzyklus „Wendekreis des Lammes“. In „Grenze: Besetztes Gebiet“ (1932) und in „Gang durch das Ried“ (1936) hat sie die französische Besatzung in DA und im hessischen Ried nach dem Ersten Weltkrieg verarbeitet, in „Proserpina“ (1933) ihre Kindheit und den frühen Tod (1909) ihres Vaters. 1935 heiratete Langgässer den Philosophen Wilhelm Hoffmann (drei Töchter), 1936 erhielt sie als Halbjüdin Publikationsverbot. Cordelia wurde wegen des jüdischen Vaters, des Staatsrechtlers Hermann Heller, nach Theresienstadt und Auschwitz deportiert, überlebte und ging nach Schweden. In ihren Büchern „Gebranntes Kind sucht das Feuer“ (1986) und „Die Welt zusammenfügen“ (1988) hat sie sich mit ihrem Schicksal, ihrer Hinwendung zum Judentum und ihrer kath. Mutter auseinander gesetzt. Langgässer selbst gehörte nach dem Zweiten Weltkrieg zu den großen Hoffnungen für einen geistigen Neubeginn, v. a. mit dem Roman „Das unauslöschliche Siegel“ (1946), mit den Kurzgeschichten „Der Torso“ (1947), mit dem Gedichtzyklus „Der Laubmann und die Rose“ (1947) und mit dem Roman „Märkische Argonautenfahrt“ (postum 1950). Die 1990 in zwei Bänden erschienene Ausgabe ihrer Briefe (1924-50) gibt einen Einblick in die geistig-religiöse sowie politische Befindlichkeit und eröffnet die Möglichkeit zu einer Werkbiografie. Langgässer lebte nach dem Krieg zunächst in Berlin und von 1948 bis zu ihrem frühen Tod in Rheinzabern; sie wurde in DA auf dem Alten Friedhof in DA beigesetzt. Seit 1949 war sie Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, im Oktober 1950 erhielt sie postum den Georg-Büchner-Preis. Seit 1988 vergibt die Stadt Alzey den Elisabeth-Langgässer-Literaturpreis. 1984 wurde in DA die Elisabeth-Langgässer-Gesellschaft gegründet. Außerdem erinnern hier eine Gedenktafel in der Viktoriaschule, der Bessunger Langgässerweg und seit 2000 ein Rundwanderweg in Riedstadt an sie.

Lit.: Müller, Karlheinz: Elisabeth Langgässer. Eine biographische Skizze, Darmstadt 1990 (Hessische Beiträge zur deutschen Literatur); Mülverstedt, Carolin: „Denn das Thema der Dichtung ist immer der Mensch“. Entindividualisierung und Typologisierung im Romanwerk Elisabeth Langgässers, Würzburg 2000 (Epistemata Bd. 295); Hilzinger, Sonja: Elisabeth Langgässer. Eine Biografie, Berlin 2009; Müller, Karlheinz (Hrsg.): Bewahren und gestalten. 25 Jahre Elisabeth-Langgässer-Gesellschaft e. V. Darmstadt, Darmstadt 2009; Darmstädter Ehrengräber, Darmstadt 2016 (Darmstädter Schriften 105), S. 119-122.