Stadtlexikon Darmstadt

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Garnison

Von einer ständigen Garnison kann man in DA eigentlich erst seit dem späten 17. Jahrhundert reden, als Landgraf Ernst Ludwig, um wie die Kasseler Vettern armierter Reichsstand zu werden, ein aus der bisherigen Leibgarde formiertes Infanterie-Regiment und bald darauf ein „Leibregiment zu Pferd“ aufstellen ließ. Für die zunächst in Privatquartieren untergebrachten Soldaten wurden unter dem an sich in Pirmasens residierenden „Soldaten-Landgrafen“ Ludwig IX. gleichzeitig mit dem Aufsehen erregenden Bau des Exerzierhauses die ersten festen Kasernen eingerichtet. Die Verstärkung der Armee in der napoleonischen Zeit, die Einführung einer allgemeinen „Kriegsdienstpflicht“ durch den Landtag des nunmehrigen Großherzogtums 1820/24, führte zum Bau neuer Kasernen, die zumeist im westlichen Neubaugebiet der Residenz Platz fanden. Nach dem 1836 gedruckten Führer für „Darmstadt und seine Umgebungen“ konnte die Kopfzahl der in DA garnisonierten Regimenter – zu denen neben zwei Infanterieregimentern die Chevauxlegers oder „Schwolleschee“ der Kavallerie und das Artilleriekorps gehörten – von knapp 1.000 Mann in den Wintermonaten, wenn die Mehrzahl der Mannschaften auf „Großurlaub“ nach Hause geschickt wurde, im Hauptübungsmonat September auf über 3.000 ansteigen.

Im Zuge der Reichsgründung 1866/71 wurden die großherzoglichen Truppen in die preußische Armee einbezogen, behielten aber ihre Traditionsnamen. Nach der erneuten Heeresverstärkung in den 1890er Jahren zählte man in DA bei insgesamt 83.123 Einwohnern immerhin 5.163 „Militärpersonen“, ein Vielfaches der ebenfalls wachsenden Studentenzahl der TH Darmstadt. Nicht nur die Kasernen, auch die Uniformen der Regimenter waren im Bild der Stadt kaum übersehbar, wie dies zahlreiche Fotos belegen. Nach dem Ersten Weltkrieg lag DA zunächst in der vom Versailler Vertrag festgelegten „Entmilitarisierten Zone“ um den Brückenkopf Mainz, sodass die Regierung des nunmehrigen Volksstaats Hessen nur eine „Wachtabteilung“ der Schutzpolizei in DA belassen konnte. Nach der vertragswidrigen Wiederherstellung der „Wehrhoheit“ durch das NS-Regime 1936 mussten für die als „Hauptwaffenplatz des Westens“ neu ausgebaute Garnisonsstadt DA abermals neue Kasernen am Stadtrand (Cambrai-Fritsch-Kaserne) errichtet werden, die nach dem Krieg von den US-Streitkräften belegt wurden. Ab 1956/59 war DA dann zugleich Standort der neu aufgebauten Bundeswehr, die hier neben der im Herbst 2000 aufgelösten Fachschule des Heeres ein Heeresinstandsetzungswerk und das Gerätehauptdepot in der ehemaligen MUNA (Munitionsanstalt) am Südrand des Stadtteils Eberstadt einrichtete.

Lit.: Franz, Eckhart G.: „Darmstadt: Stadt der Künste, Stadt der Wissenschaften – aber Soldatenstadt?“ In: Schneider, Ute / Lange, Thomas: Kriegsalltage, Darmstadt 2002 (TUD Schriftenreihe Wissenschaft und Technik 83), S. 21-36.